Jahrgang 
1 (1858)
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Zöpfe, und unſer lieber Matthias Claudius ſagt in dem allbekannten Liede: Urian's Reiſe, er habe die Menſchen überall ſo gefunden, wie hier und lauter ſolche Narren, und oft iſt's wahr: Je gelehrter, je verkehrter.

Stephenſon war ein ſtiller, beſcheidener Mann, aber wenn er ſich über eine gewonnene Einſicht ausſprach, ſo geſchah es mit einer ſolchen Beſtimmt⸗ heit, wie ſie eben nur als das Ergebniß eines klaren Durchdachtſeins und einer dadurch gewonnenen allſeitig runden Anſchauung, wenn ich mich ſo ausdrücken darf, ſich ergeben kann.

Das gefällt aber nicht immer; damit ſtieß er denn freilich an manche hoch⸗ weiſe, ſehr empfindliche Naſenſpitze; rannte heftig gegen manche harte Stirne, hinter der ein winzig kleines Hirn deſto feſter in ſeinen engen Höhlen ſaß; traf manches eingeroſtete Vorurtheil, daß die morſchen Bande krachten und die Fugen ächzend nachgeben mußten aber hinter alledem ſaß der böſe Geſelle des Hochmuths und der Einbildung, den Matthias Claudius ſo beſtimmt bei ſeinem Tauf⸗ und Geſchlechtsnamen nennt, der hier in Einen zuſammenfällt.

Man kann ohne Mühe die Ueberzeugung gewinnen, daß die wegwerſendſten, härteſten und liebloſeſten Urtheile über den vermeintlichen Erſinder und Alles⸗ wiſſer gefällt wurden; aber auch die, daß es einſichtsvolle Leute gab, die ihn richtig beurtheilten und vor ſeiner Einſicht die Achtung gewannen, die ſie zu erlangen berechtigt war.

Stephenſon hatte innere Kraft genug, dieſe Urtheile nicht ätzend und nieder⸗ drückend auf ſich wirken zu laſſen. Er kannte die Menſchen ja ſchon, mit denen er es zu thun hatte.

Das Bewußtſein, wie hoch er über ihnen und ihrer puſtenden Weisheit ſtand, wie weit er ſie überſehe, machte ihn nicht ſtolz; er ging ſeinen Weg und ließ ſie den ihrigen gehen; leider aber durchkreuzten ſich gar zu oft dieſe Wege und er fand, daß ſie ihm die ſeinigen abgruben, abdämmten.

Dann ſeufzte er wohl einmal tief auf, aber ſein Glaube gab ihm die Ge⸗ wißheit, daß die Wahrheit ſiegen würde, und ſeine Ausdauer war das Mittel, unverzagt ſein Ziel im Auge zu behalten.

Endlich muß Wahr wahr bleiben und Recht recht, das iſt ſicher. Die Sonne dringt durch alle Wolken.

Hatte ſchon der Franzoſe de Caus ſeine Behauptung, man könne mit Waſſerdampf Schiffe und Wagen fortbewegen, trotz des natürlichen Widerſtandes, im Irrenhauſe büßen müſſen und war dort verkümmert und mit ſeinen großen Gedanken ſchauerlich zu Grabe gegangen, einer Welt gegenüber, die undankbar ihn verlachte und zum ſchrecklichſten Looſe verdammte, mit klarem reichem Geiſte unter Irren ſterben zu müſſen; ſo war es nicht wunderbar, daß der Knabe Watt vor dem ſiedenden Theekeſſel, nachdenkend über die Macht des Waſſerdampfes, von ſeiner Großmutter ausgezankt wurde, weil er ein Träumer und Thor ſei, aus dem einmal gar nichts werde.

Watt war glücklicher als de Caus. Es gelang ihm, in einer einſichtsvollen Zeit ſein Ziel zu verwirklichen.

Darf es uns Wunder nehmen, daß, da Napoleon, als ihm Fulton's Erfin⸗ dung der bewegenden Dampfkraft in ihrer Anwendung auf Dampſſchiffe be⸗ kannt wurde, ausrief:In's Narrenhaus mit ihm! auch Stephenſon Aehnliches erfuhr, als er auf die eiſernen Geleiſe blickte, auf denen man die belaſteten Kohlenwagen aus den Gruben von Killingworth ſchob, die Behaup⸗ tung ausſprach, man müſſe auf ſolchen Wegen Städte und Städte, Länder und Länder verbinden und vermittelſt der Dampftraft einen Wagen bauen können, der mit angemeſſener Geſchwindigkeit große Laſten und viele Menſchen fortbewegen könne? Da ſchrie die Welt Zetermordio!

Dieſen Gedanke bewegte er in ſeinem Geiſte, ohne daß er Etwas von denen wußte, die vor ihm und in einer viel und weniger frühen Zeit ihn bereits klar erfaßt hatten und die, Welt ſagte: Er iſt ein Schwindler, rin Narr, und wer ihm Gehör ſchenkt, der iſt ſein geiſtig Verwandter!