Jahrgang 
1 (1858)
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Da kehrte Freude und Dank gegen den Herrn in der ſtillen Hütte ein, und die Sorge um die Schulden waren weg und der Sparpfennig kam wieder in ſein Recht!

Und es ſchien, als ſei nun eine Bahn des Weiterkommens für ihn eröffnet und der Knoten, wie wir zu ſagen pflegen, gebrochen. Er hatte die Kinderſchuhe ſeines Talents ausgetreten. Nun mußte es gehen!

Mußte doch auch Jeder bei dem Eintritte in Stephenſon's Hütte erkennen, hier wohne ein eigenthümlicher, wunderſam begabter, einſichts⸗ und kunſtvoller Menſch, der die Bahn menſchlicher Ausbildung gewiſſenhaft durchlaufen habe und mit außerordentlichem Erfolge. Wohin man blickte, da hingen Zeichnungen von Maſchinen, Maſchinentheilen, Pläne und der Gleichen an den Wänden; alle fein und zierlich gearbeitet und ſauber mit Farben ausgemalt, daß ſie ein Mann des Faches, durchgebildet in allen Richtungen, ſchöner, genauer, beſſer nicht hätte fertigen können; da ſtanden auf jeder Stelle, wo es möglich war Etwas außzuſtellen, Modelle der ſeltſamſten Art. Blickte darauf ein Kenner, ſo fand er augenblick⸗ lich bekannte Maſchinen heraus, aber ſie waren dennoch vielfach anders zu⸗ ſammengeſetzt, wie die, welche er arbeiten-geſehen, und fragte er darnach, ſo war ein beredter Mund da, der ihm zeigte, wie dieſe Einrichtung große Vor⸗ theile gewähre und gewöhnlich ſprang die Verbeſſerung mit ihren Vortheilen in's Auge deſſen, der ihn gefragt.

Hörte man aber, daß dieſer Mann ohne alle Vorbildung und Anweiſung zum Zeichnen und Modelliren, ohne alle Anleitung in der Kunſt des Maſchinen⸗ baues, ohne Alles Erlernthaben derjenigen Wiſſenſchaften, welche die Fragen nach dem: Warum? und: Wie? dem menſchlichen Geiſte erſchließen und ihn auf den Standpunkt ſtellen, daß er ſagen kann: Die Wirkung deſſen, was ich hier gebildet habe, muß die und die ſein, dann erſt ſtaunte mit Recht der, welcher ſolche Dinge ſah und nun den Mann mit dem ausdrucksvollen Ge⸗ ſichte, dem geiſtvollen Auge, der nachdenklichen Stirne betrachtete, der von Gottes Gnaden das geworden war faſt ein vom Himmel gefallener Meiſter, gegen die freilich mit Grund, Fug' und Recht unſer deutſches Sprüch⸗ wort Einſprache erhebt. Hier aber war ſo Einer, wie's freilich Wenige gibt.

Durch die kranken Maſchinen, die er hergeſtellt, waren die Blicke auf ihn gelenkt worden.

Die Herren Ingenieure hatten einen unwiderſtehlichen Reſpect vor dem ſchlichten Manne, deſſen Verſtand, Einſicht und künſtliche Fertigkeit ihre er⸗ lernte Weisheit ſo tapfer aus dem Sattel gehoben, ja, ſie hielten es ſeitdem nicht unter ihrer Würde, in ſolchen Fällen, wo ihr Witz am Ende war, ihn zu Rathe zu ziehen um hintenach nämlich feſt zu erklären, das ſei doch auch bis auf das Tüpfelchen auf dem J ihre Anſicht geweſen. Natürlich, ein Eſel will eben Keiner ſein!

Item, man konnte den Gedanken nicht mehr wegweiſen, daß dieſer Mann in die Werkſtätte gehöre, wo man die nöthigen Maſchinen mache und baue, und ſo wurde er denn in die bei dem Kohlengewerke von Killingsworth befind⸗ liche Maſchinenwerkſtätte verſetzt.

Hier war endlich der rechte Ort, dahin er nach ſeinen Gaben gehörte, da ſein Geiſt friſch und freudig ſich in ſeiner Welt fühlte und die Schwingen hob, um ſeine Kraft zu erproben. An Fleiß ſtand ihm kaum Einer gleich, an Einſicht Keiner.

Dem Verſtändniß des Ineinandergreifens des Räder⸗ und Hebelwerkes brauchte er kein Nachdenken zu widmen. Ein Blick reichte hin, das zu über⸗ ſehen; aber auch nur Einer dieſer blitzenden Blicke, um zu erkennen, hier und dort ſei eine Verbeſſerung vorzunehmen und ſo und ſo muͤſſſe ſie erfolgen, dann werde ſie dieß oder jenes Ziel ſchneller, ſicherer und gewinnbringender erreichen, und den Nagel traf er immer auf den Kopf.

Da kam aber Stephenſon mit vielen Leuten zuſammen, und das alte Spruͤch⸗ wort ſagt: Viel Köpfe, viel Sinn; es ſagt ein Neueres: Viel Köpfe, vielerlei