Jahrgang 
1 (1858)
Einzelbild herunterladen

=-

2

n

291

So kam er aus dieſer mißlichen Lage; allein Schulden! Sie ſind jedem ehrlichen tüchtigen Menſchen ein Schrecken und eine Qual.

Wie auch Fanny für die Loskaufung ihres lieben Georg Gott dankte, dennoch bekümmerte es ſie gewaltig, daß nun Schulden ſie drückten. Georg fand das heraus. Er glättete die Stirn ſeiner lieben Gattin wieder, indem er ihr durch um ſo größere Thätigkeit und Sparſamkeit den Weg zeigte, aus dem Gewebe der Sorgen ſich herauszuwinden, und ſiehe da, es gelang Beider Fleiß und Spar⸗ ſamkeit und bald ſchien wieder die Sonne des Glückes in's ſtille Hüttlein, wo das ſchönſte chriſtliche Familienleben ſeine Stätte gefunden hatte.

Und was war's? Am Wirthshaus ging er vorbei! Karten ſpielte er nicht. Faullenzen konnte er nicht. Bei Weib und Kind zu Hauſe bleiben, Gebet und Bibel nicht verſäumen, und tüchtig arbeiten das half von den Schulden!

Konnten aber die Leute, welche über die Kohlenwerke geſetzt ſind, und doch ein reifes enden haben, einen Mann, wie Georg Stephenſon, ein Talent, wie das Seinige, ſo lange Zeit überſehen, ohne ihm eine andere, paſſendere Bahn zu eröffnen und es zu höheren Zwecken zu benutzen?

Dieſe Frage liegt ſehr nahe und manche Ereigniſſe laſſen ſie noch verwun⸗ derlicher erſcheinen. Freilich, er war der Mann nicht, der ſich vordrängte; der die Augen abſichtlich auf ſich zu lenken ſuchte; der mit ſeinem Talente Prunk trieb! Dazu war er zu beſcheiden. Es traten aber einige Ereigniſſe ein, die von Bedeutung für Stephenſon wurden, ſo unſcheinbar ſie auch an und für ſich waren.

Die Seile, die in der Grube zum Ausfördern der Kohlen dienten, nutzten ſich außerordentlich ſchnell ab, und verurſachten den Eigenthümern der Grube eine ſehr hohe Ausgabe. Stephenſon ſann darüber nach, ein Mittel zu ent⸗ decken, das ſchnelle Abnutzen zu verhüten. Seinem Scharfſinne gelang es in üͤberraſchender Weiſe, und die großen Erſparniſſe richteten die Blicke der Herren zuerſt auf den ungewöhnlichen Mann, deſſen Wiſſen und Können ſie nicht geahnet hatten.

Es kam ferner vor, daß einige wichtige und ſehr theure Maſchinen ſchnell nacheinander unbrauchbar wurden.

Die Herren, welche ſie unter ſich hatten und ihre Einrichtung genau kannten, man nennt ſie Ingenieure, ſchüttelten die weiſen Köpfe. Die Verſuche, ſie herzuſtellen, mißlangen; die Grubenbeſitzer waren nahe daran, in den freilich vollen Geldbeutel zu greifen, um zwei neue Maſchinen anzukaufen.

Da trat der beſcheidene Stephenſon, der längſt wußte, wo es fehlte, und wie zu helfen ſei, hervor und ſagte: wenn man ihm die Mittel böte, würde er die Maſchinen in kurzer Zeit und mit geringen Koſten wieder ſo brauchbar herſtellen, wie ſie neu geweſen wären. Die Herren Ingenieure höhnten und ſpotteten des ruſigen Bremſers und lachten ihn weidlich aus. Die Eigenthümer aber waren der Anſicht, ehe man das ungeheure Kapital zu neuen Maſchinen aufwende, ſolle man den Verſuch wagen; Stephenſon ſei ein geſcheidter Menſch, was ſeine Erfindung mit den Seilen beweiſe, und kein Windbeutel kurz trotz des Spottens und Lachens der Ingenieure, machten ſie den Prozeß kurz und ließen Stephenſon gewähren.

Raſch machte er ſich daran und in einer verhältnißmäßig ſehr kurzen Friſt waren die Maſchinen in einer Weiſe hergeſtellt, die das Lachen und Höhnen ver⸗ ſtummen machte und Stephenſons Wort glänzend rechtfertigte, aber auch ſein außerordentliches Geſchick klar erwies.

So ſeine ſpottenden Gegner zu beſchämen, war wahrlich auch ein Meiſterſtück, und er hatte die Sache nicht erlernt, wie die ſpottenden Herren es thaten.

Zehn Guineen(etwas über hundert Gulden) waren ſein Lohn. Eine Verbeſſerung ſeines Gehaltes folgte unmittelbar. Seine Stellung wurde erhöht und noch mehr erfreute ihn das Verſprechen, ihn künftig noch weiter zu befördern.

Glänzenden Angeſichts trat er zu ſeiner lieben Frau, legte die zehn Goldſtücke in ihre Hand und ſagte: Das iſt der Erſatzmann für die Miliz und ſo ſteht's mitmir!

l9* 44