Jahrgang 
1 (1858)
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290.

Gottvertrauen, ſeiner Ruhe und Beſonnenheit richtete ſich das ſchwächere Weib kräftig wieder empor.

Ueberall um ihn war Zerſtörung und Verwüſtung, aber Fanny begann zu fegen und zu reinigen und Georg herzuſtellen; aber es war doch ein Zeichen, wie ſein Geiſt für Älles, was Maſchine war, eine eigene Vorliebe hegte. Statt das Dach ſeines Häusleins zuerſt herzuſtellen(was er ſpäter wieder ſelbſt that) ergriff er die Schwarzwälder Holzuhr, die acht Tage ging, und die er ſich noch als lediger Mann gekauft hatte, zuerſt, ſetzte ſich daran und ſtellte das zerbrochene Werk in ſehr kurzer Zeit wieder her. Dann erſt dachte er an Anderes. Und als nun wieder das Häuslein wetterfeſt, innen ſauber von ihm ſelbſt angeſtrichen und getüncht war; der kleine Heerd wieder ſtand, daran Fanny wirthſchaftete, da ergab ſich unverhofft aus der Herſtellung ſeiner ehrlichen Schwarzwälder Achttägigen ein neuer, reicher Erwerb. Alle Nachbarn brachten ihm ihre Haus⸗ uhren, die ungangbar geworden waren. Kein Londoner Uhrmacher hätte ſie beſſer herſtellen können. Da überdieß ſeine vortreffliche Arbeit billig war, ſo ſah Fanny bald ihr Stübchen zu einer Uhrmacherwerkſtätte werden, deren Kund⸗ ſchaft täglich zunahm, und wo alsbald auch die feinſten Taſchenuhren ebenſo ſicher ihre Herſtellung fanden. Sein Arbeitslohn ging täglich fort und nur die Frei⸗ ſtunden brachten dieſen, an und für ſich ſehr reichlichen Erwerb. So wurden die Wunden des unglücklichen Brandes wieder ausgeheilt, die Zuſchneiderei und Fanny's Nadelkunſt dabei fortgeübt, und auch dem Schuſter, wie andern Hand⸗ werkern mit Erfolg in's Handwerk gepfuſcht doch nicht gepfuſcht! enn, was aus Georg's Händen hervorging, war von einer Nettigkeit, Tüchtigkeit und Vollendung, daß es ihm kein Handwerker in ſeinem Fache gleich that. Sein rühriger und erfinderiſcher Geiſt wußte allen ſeinen Bedürfniſſen abzuhelfen. So machte er ſich die Leiſten zu den Schuhen für ſich, Fanny und ihr Kind ſelbſt, darüber er die Schuhe fertigte. Als die Schuſter des Ortes dieſe Leiſten ſahen, fanden ſie ſie ſo viel ſchöner und vortrefflicher, als die ihrigen, daß Georg die Hände voll zu thun hatte, alle die Leiſten zu machen, die bei ihm beſtellt wurden; wenn nun die Uhrreparatur feierte, wurden neue Leiſten auf Beſtellung oder zum Verkaufe gemacht und Fanny ſah bald mit glückſeligem Lächeln den kleinen Sparpfennig, den der Brand aufgezehrt, wieder anwachſen, und konnte ihn dankbaren Herzens dem ebenſo erfreuten Gatten zeigen, der mit ihr zum Herrn flehte, daß er gnädiglich die Wiederkehr ſolchen Jammers verhüte, aus demn nur Wenige ſo ſchnell ſich wieder erheben konnten, als Georg Stephenſon's Familie.

Das aber war das große Geheimniß dieſer ſchnellen Erhebung, daß er ſich keiner Arbeit ſchämte, ſondern in jeder das Mittel ſah, ſeine und der Seinen Lage zu verbeſſern.

Wenn auch nicht ein ähnliches Unglück, ſo traf ihn doch ein neuer, ſchwerer Schlag, der dem ſchönen Sparpfennig Flügel gab.

Stephenſon war noch im Alter der Miliz oder Soldatenpflicht, und da er ein ſtattlicher, blühender Mann, ohne irgend ein Fehl oder Makel an ſeinem Leibe war, wie es in der Schrift von Abſalom heißt, ſo wurde er ausgehoben. Konnte er Weib und Kind dem Elende preis geben? Hätte er die Trennung ertragen oder ſie? Es blieb nur ein Ausweg! Es mußte ein Erſatzmann ge⸗ ſtellt oder vielmehr gekauft werden. In England fehlte es damals an Leuten nicht, die bereit waren, ihre Haut gegen angemeſſene Vergütung zu Markte zu tragen und per Gelegenheit ſich gotteserbärmlich durchprügeln zu laſſen, da in dem freien England die Schmach noch beſteht, daß ein Soldat, der ſich irgend vergißt oder gegen die Kriegsartikel ſündigt, aus dem Salze durchgeprügelt wird.

Zu haben war der Erſatzmann ſchon, allein der Sparpfennig reichte nicht einmal hin. Einem Manne, wie Stephen ſon, der Aller Achtung und Werth⸗ ſchätzung durch ſeine muſterhafte Aufführung, ſein ächtchriſtliches Famtlienleben und ſeine Thätigkeit genoß, lieh Jeder, der's zu leihen hatte, gerne das Fehlende.

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