Jahrgang 
1 (1858)
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ihrer Theile und ihres Ganzen in den freien Stunden; durch das Nachbilden im Kleinen; durch das Sinnen, ob nicht hier oder da eine Verbeſſerung könnte angebracht werden, die den Zweck leichter erreichen ließe.

Dabei horchte er leiſe, wenn ältere Leute von ihrem Berufe und ihren Er⸗ fahrungen redeten, und nie konnte man ihm ſagen, daß er vorlaut ſein Er⸗ kennen kund gab, auch wenn es das der älteren Leute übertraf und ſeine beſſere Einſicht auf wohlgeprüften Gründen beruhte.

Auch hierin glich er nicht den vorlauten Büblein unſerer Tage, die meinen mit ihrem Bißchen Erkenntniß müßten ſie ſich gleich an den Laden legen, und ſich nicht ſchämen, alte Leute abzutrumpfen.

Die Maſchinen, dieſer künſtliche Erſatz für menſchliche Kraft und Thätig⸗ keit, waren es hauptſächlich, die ihn in Anſpruch nahmen, ſein Nachdenken be⸗ ſchäftigten und ihn zur Nachbildung reizten.

Mit wahrer Liebe hielt er an ſeiner Pumpmaſchine und mit dem regſten Fleiße reinigte und putzte er ſie, daß ſie glänzte und prangte, und dann erſt freute er ſich ihrer recht.

Es konnte nicht fehlen, daß die Vorgeſetzten bald auf ihn aufmerkſam wurden, denn wenn es an der Maſchine irgendwo fehlte, mußte er immer die Stelle angeben und die Wege, dem Uebel raſch und entſcheidend abzuhelfen; ja, wenn man es ihm anvertraute, half er ſelbſt nach und ab und in ſo zweck⸗

maäßiger Weiſe, daß es anerkannt werden mußte und der glänzendſte Erfolg

ſeine Einſicht erwies.

So kam der Zeitpunkt ſchnell, daß er ſich über ſeinen braven Vater hinauf⸗ ſchwang, der ſich des Glückes und der Gaben ſeines Sohnes freute und ſtolz darauf war, einen ſolchen Sohn zu haben. Aber nun kam der Augenblick, wo Georg die Lücken und das Unzureichende ſeines Wiſſens fühlte, und zugleich das dringendſte Bedürfniß in ihm erwachte, aus Büchern ſein Erkennen zu erweitern und zu bereichern. Da war guter Rath theuer; zwar ſo viel verdiente er, daß er von ſeinem Lohne, den er als guter Sohn ſeinen Eltern gab, Etwas ab⸗ ziehen konnte für ſeine Bildung, und freudig willigten die guten Eltern ein; aber ein anderes Hinderniß war ſchwerer wegzuräumen, die unentbehrliche Zeit. Mußte er ja doch am Tage nothwendig in ſeinem Dienſte arbeiten, um das tägliche Brot zu verdienen. So viel fiel ja niemals ab, daß er es hätte zum Unterrichte anwenden können, denn die Arbeitsſtunden ſind zugemeſſen, daß der Tag vom frühen Morgen bis zum ſpäten Abend drinnen aufgeht.

In England iſt Vieles anders, als bei uns, aber ſie richten Alles vor⸗ ſorglich und zweckdienlich ein. Der auf das thätige Leben gerichtete Verſtand der Engländer weiß überall Rath.

Wie Georg Stephenſon waren gewiß Viele da. Wie ſollte nicht ein unternehmender Lehrer einmal auf den Gedanken kommen, eine Nachtſchule ein⸗ zurichten? Und, in der That, deren gab es und auch für Georg eröffnete eine ſolche die Ausſicht, ſeines Herzens heißeſten Wunſch zu erfüllen. Freudig ergriff er dieſe Gelegenheit und mit glühendem Eifer, und bald überragte er alle ſeine Mitſchüler, ja ſelbſt ſeinen Lehrer, daß dieſer ihm ſagte, er ſolle nun ſelbſt eine Nachtſchule errichten.

Das lag nicht im Plane Georgs. Sein Erlerntes ſollte ihm nur die unterſte Sproſſe auf der Leiter des Wiſſens ſein; ſollte ihm die Pforte höherer Einſicht öffnen. Nun ſtanden ihm die Schätze der Wiſſenſchaft zu Gebote, welche die gelehrten Männer Englands in ihren Büchern niederglegt haben, und dieſe Schäͤtze zu haben und ſich anzueignen, war der leitende Gedanke des wiſſens⸗ eifrigen jungen Mannes.

Die Näͤchte, welche er bisher auf der Schulbank geſeſſen, brachte er nun im Stüͤbchen zu, bei dem Scheine der Lampe, um, wie die fleißige Biene den Honig aus jedem Blümchen ſammelt, aus den Büchern ſich neue und reichere Erkenntniß zu ſammeln. Das gelang ihm bei ſeiner großen Ausdauer in höchſt erfreulicher Weiſe und nun that ſich vor ſeinem Geiſte ein ſich immer erweiternder