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Nun lag unweit der Stadt Newkaſtle das Dorf Wylam und hier war an einer großen Kohlengrube ein ſolches Pumpwerk und dabei war als Arbeiter ein gewiſſer Stephenſon beſchäftigt, der in einem kleinen Häuslein, mit ſeiner ſehr achtbaren Frau, ſtill friedlich und zufrieden von ſeinem kärglichen Verdienſte lebte, der ſich freilich in dem Maße als unzureichend erwies, als die Kinder ſich mehrten und heranwuchſen. Da hieß es: Zu Rathe gehalten! und: Keine Seiten⸗ ſprünge gemacht. Dazu war indeſſen auch weder Stephenſon noch ſeine Frau geneigt.
Es war am 9. Juni 1781, als zum kleinen Häuflein noch ein Büblein hinzukam, deſſen Taufname Georg wurde, und obwohl Kinder Laſt und Sorge brachten, brachte der Kleine viel Freude in's Haus.
Seine Kindheit verlief ſtille in dieſem engen, von Armuth bedrängten Kreiſe; aber was er ſah, war die ausdauernde Thätigkeit des Vaters und der ſtillen Mutter, die Hülfeleiſtungen der ältern Geſchwiſter, und dieß Zuſammenwirken in Liebe und Fleiß war von einem großen Einfluß auf des Knaben Sein und Weſen. Das aber war ſchon an dem Kinde zu bemerken, daß es Etwas in ſich trug, was den Andern abging. Wenn dieſe in den Spielſtunden laut jubi⸗ lirten, konnte er ſich nur ſtille vergnügen und zwar durch Schnitzen, Bauen und dergleichen. Hier zu Lande würden die Leute geſagt haben: Es gibt einen Poßler! Poßler nämlich heißt ein Menſch, der mit Geſchick und wenigen Hülfsmitteln allerlei künſtliche Dinge machen kann.
Der kleine Georg war ſtill und nachdenklich und hatte eine ungemeine Aus⸗ dauer und Zähigkeit des Anhaltens, wenn er Etwas angefangen hatte, es auch zu Ende zu führen.
Die meiſten Kinder werfen das ſchnell weg, was ihnen Anſtrengung und andauernde Mühe macht; Stephenſon, unſer kleiner Georg nämlich, war hierin ganz anders: er ließ niemals ein Spiel, ohne es völlig zu beenden; nie eine kleine Arbeit, ohne ſie zum Ziele zu führen; nie ein von ihm begonnenes Werk, ohne, wie groß auch die Hinderniſſe für ſeine kindliche Kraft und Einſicht waren, mit großer Ausdauer ſo lange anzuhalten, bis es ſo war, wie er es wollte und wünſchte.
Solcher Richtung freute ſich abſonderlich der Vater Stephenſon, der den Werth ſolcher Ausdauer in jeglichem Werke genugſam aus ſeiner eigenen Er⸗ fahrung kannte.
Als das Büblein heranwuchs, zeigte ſich ſeine Genauigkeit in allen Dingen,
beſonders darin, daß er, wenn auch noch viel jünger als ſeine Geſchwiſter, alle Aufträge, welche er von Vater und Mutter empfing, mit einer Pünktlich⸗ keit ausrichtete, wie Keines der älteren Kinder; daher er denn auch vorzugs⸗ weiſe dazu verwendet wurde. Die Aeltern erkannten mit Freuden, daß Georg auch an andern, geiſtigen Gaben ein ungewöhnliches Maß vom Herrn em⸗ pfangen hatte.
Mit dem Unterrichte nur ſah es ſcheu aus. Die Schulen in England ſind nur für die Reichen, die ſie zahlen können, die großen Koſten, die da⸗ mit verbunden ſind. Wenn nicht Väter und Mütter ihre Kinder ſelbſt das Rechnen, Leſen und Schreiben lehren konnten, ſo war's nichts damit. Heut⸗ zutage iſt durch die Einrichtung von Armenſchulen dort wohl beſſer geſorgt, aber ausreichend immer noch nicht.
Da möchte ich auf den Segen hinweiſen, den die Schuleinrichtungen in unſerm lieben deutſchen Vaterlande haben, und wie viel Dank wir unſern Fürſten und ihren Regierungen ſchuldig ſind, die ſo väterlich ſorgen, daß kein Kindlein ohne Unterricht bleibt. Zwar iſt der Zwang manchen lüderlichen Aeltern läſtig und die Strafen für Schulverſäumniß ärgerlich; aber wohin ſollte es kommen, wenn es Jedem frei wäre, in die Schule zu gehen oder nicht?— Ich kann mir's nicht verſagen, hier auf Eins aufmerkſam zu machen.
Vor einigen Jahren wurde thatſächlich ermittelt, daß in Frankreich, wo's auch mit dem Volksſchulunterrichte übel ausſteht, von 100 jungen Leuten, die in das Heer eintraten, nur 19 dürftig leſen, ſchreiben und rechnen konnten;


