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ihn da in eine finſtre Kneipe hineinführt. Da ſetzt ſich der Herr traulich zu ihm und fängt mit ihm zu reden an von der Heimath und dem ſchönen Rheine, der in dem niedrigen Holland theilweiſe im Sande verläuft, und dergleichen, daß der Fritz ſchier ein Heimweh an ſich kriegt, und dabei ſpendirt der Herr eine Flaſche franzöſiſchen, ſüßen Wein, der gar köſtlich eingeht. Bald aber merkt der Fritz, daß dieſer Wein den Schelmen im Nacken hat, und nicht ſpaßt; denn er wird allmählig ſo duſelig, und dann ſieht er alle Dinge doppelt und endlich tanzt und wirbelt alles wie toll und thöricht vor ſeinen Augen herum und er lacht und lacht, bis er umſinkt und Alles verſchwindet und ſeine Gedanken mit.—
Am andern Morgen— denn es mußte ſo ſein, weil er ausgeſchlafen hatte, aber es war noch ſtockſtichfinſtre Nacht, blickt er ſich um, ſucht nach einem Fenſter und ſtolpert über einen Menſchen, der auch daliegt. Der fährt auf und fluchte wie ein Heide und Türke. Fritz beruhigt ihn und ſiehe da, es iſt ein Deutſcher und ein Pfälzer, von der Hardt herum, die alle gut fluchen können, als hätten ſie's ertra gelernt in der Schule.
Suchſt nach einem Fenſter, Kamerad? rief jetzt lachend der Pfälzer. Kannſt lange ſuchen und wenn du eins findeſt, ſo zeig mir's. Hab auch ſchon geſtern ge ſucht, aber keins gefunden, und weil keins da war und allezeit Nacht, ſo hab' ich g'dacht, ſchlafen wär das G'ſcheidſte und hab' g'ſchlafen wie ein Siebenſchläfer und an die ſchöne Pfalz g'dacht, die ich nimmer wiederſehe und an d'Vater und an d'Mutter.
Warum denn nicht? fragte Fritz.
Ei, du Simpel! rief der Andre, merk'ſt denn nicht, daß wir in die Hände der Seelenverkäufer gerathen ſind und nach Batavia kommen, wo von zwölf Deut— ſchen eilf ſterben und Einer das Zeitliche ſegnet?— Da hat das Liedel bald ein Ende!
Fritz ſtand mitten in der dunkeln Nacht wie eine Bildſäule. Er dachte an die Warnung des Kameraden in Brüſſel, und es wurde ihm kalt bis in's Herz hinein. Er rang verzweifelnd die Hände und rief: Allmächtiger Gott, was ſoll aus mir werden?
Närrle, lachte der Pfälzer, ich will dir's ſagen. Ein Matroſe oder ein Soldat und dann eine Leiche, und dann hat dein Leid ein Ende, wie mein's auch. Mach's wie ich. Ich nehm's auf die leichte Achſel, ſinge: Fröhlich Pfalz, Gott erhalts, und begebe mich aller übeln Laune. Nur aus dem Loche zu kommen, verlangt's mich.
Fritz eilte ſich, ſein Strohlager wieder zu finden und ließ nun ſeinem Leide ſtille ſeinen Lauf, während der leichtſinnige Pfälzer in einem Athem fortſchwatzte, bis er endlich, da Fritz keine Antwort mehr gab, ſchwieg.
Der Wunſch, aus dem dunkeln Loche zu kommen, wurde ihnen indeſſen bald erfüllt. Sie wurden bei Nacht nach einem Hafen gebracht und eingeſchifft. Fritz wurde als Soldat angenommen und bald ging das Schiff, das einige Hundert Mann, zuſammengewürfelt aus dem Auswurf aller Länder Europas, an Bord
hatte, die von den Officieren begleitet waren, in See.
Soviel kann ich Euch ſagen: ich habe es mit vieler Mühe erforſcht. Zu thun iſt da nichts weiter, als abzuwarten, ob Nachrichten kommen!
Als Herr Kurander zu Ende war, brach die harte Kruſte zuſammen, die um das Herz des alten Ronemus ſich gelegt hatte, und er fing an zu weinen, wie ein Kind. Der Herr Kurander redete ihm zu; ſagte ihm, er wolle in Holland nähere Erkundigungen einziehen und ſuchte ihn nach Kräften zu tröſten; aber das war umſonſt. Zwar that der Gebhard ſeine Schuldigkeit beim Weinkauf; aber er redete faſt nur was nöthig war, und man ſah, daß ſeine Gedanken ſonſtwo waren. Auch ſchüttelte ihn wiederholt ein Froſt, ob's gleich nicht kalt war, und als er Abends heim kam, legte er ſich krank zu Bette; aber er war ſanft und mild, wie nie zuvor. Die Krankheit wuchs, und Frau Margreth merkte erſt aus ſeinen irren Reden, wie es um ihren armen, guten Fritz ſtand. So kommt in der Welt ſelten ein Leid alleine. Die arme Frau trug das Doppelte und er⸗ füllte ihre Pflicht gegen den Kranken doch mit einer ſolchen Hingebung und Treue,
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