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daß man ſie bewundern mußte. Sieben Wochen lag der Gebhard darnieder und ſein Leben hing an einem Haare. Der Doctor zuckte die Achſeln, wenn ſie fragte, und meinte, der liebe Gott müſſe beſonderen Segen geben, ſonſt gehe es ſchief. An der Sorgfalt des Doctors hat's nicht gefehlt und am Gebete der frommen Frau und ihres guten Käthchens hat's noch weniger gefehlt. Endlich kam ein ſtarker, Tag und Nacht anhaltender Schweiß, und der Doctor ſagte: Nun iſt's gepackt! Und wirklich kam der Kranke zur Beſſerung. Was aber das Allererfreulichſte war, das muß ich beſonders ſagen. Der Herr Inſpector beſuchte ihn oft und redete lange allein mit ihm. Er fand einen von Gottes Gnade beſtellten Boden! Unter Thränen flehend, bat er ſeiner guten Frau alle das viele Leid und Unrecht ab, das er ihr angethan. Er ließ das liebe Minchen an ſein Siechbette rufen und bat ihr ſeine Verſchuldung ab, und verhieß, daß, wenn Fritz mit Gottes Hülfe wieverkehre, ſo ſolle ſie ſein liebes Kind werden, ja, er ließ den alten Gölz zu ſich bitten, daß er ſich mit ihm ausſöhne; aber wer nicht kam, das war der alte Gölz, denn der hatte einen Steinkopf und war unbeugſam, obgleich der Herr Inſpector auch mit ihm ein Nüßlein knackte, deſſen Kern nicht ſüß geweſen ſein mag. Er ſagte tröſtend zum alten Ronemus: Ihr habt chriſtlich das Eurige gethan. Laſſet ihn. Es geht nun mit ihm heim! Und in's Haus des Gebhard kam wieder ein Sonnenſchein. Was aber ſeine Geſinnung gegen das Minchen förderte, das lag in den folgenden Umſtänden, die ihm kund geworden waren.
In unſerer Stadt lebten damals wohlhabende Schiffersleute, die in der Krahnen⸗ gaſſe wohnten, die einen ſehr braven Sohn hatten, der ein bildhübſcher Burſche war. Wie ſein Vater, der alte Roth, ſo war auch Konrad ein Schiffer geworden; hatte als Junge bei dem Schiffer Eidam gedient und dann, wie es der Zunft Vorſchrift war, drei Jahre als Schiffsknecht oder Matroſe bei dem Schiffer Brillmayer von Bingen mit gutem Lob ausgehalten. Damals war eine herrſchende Krank⸗ heit in der Stadt, an der die beiden Eheleute Roth ſtarben. Da ſtand dann der Konrad allein in der Welt, und konnte in dieſer Lage ſeine eigene Schifffahrt nicht anfangen, da er das Haus und die Weinberge und Güter daheim nicht im Stiche laſſen konnte. Der hatte das Minchen über die Maßen lieb und trug ſolche Liebe ſchon lange Jahre. Da nun der Fritz Gebhard verſchollen und, wie es hieß, in Batavia geſtorben war und ſeine Aeltern ihn betrauerten, ſchöpfte er Hoffnung, denn eine Nonne konnte Minchen doch nicht werden, weil ſie reformirt war. Da gab er ſich denn alle Mühe, ihre Gunſt zu erlangen, ließ auch förmlich an ihr freien und alle Welt beſtürmte das Mädchen, eine ſo gute Heirath nicht in die Schanze zu ſchlagen. Das Minchen aber ſagte einmal wie allemal, ſie habe nur Einen lieb gehabt und ihm die Treue gelobt bis in's Grab, und dieß Wort werde ſie halten. Davon wich ſie nicht, was auch die Leute und ihre Aeltern ſagen mochten und damit war's denn ein für alle Mal ab..
Dem Konrad Roth aber hat das arg zugeſetzt, denn er liebte das Mädchen auf⸗ richtig. Er verkaufte Hab und Gut und zog nach Caub und erſt nach vielen Jahren verheirathete er ſich dort und war ein braver Mann, der auch dort recht gut ſtand und zufrieden war. 2
Das hörte der Gebhard und das ging ihm an's und in's Herz. Er ſchlug dieſe Treue hoch an, wie auch die Leute das Minchen tadelten, die nur nach der Klugheit rechneten, wie es die Leute machen.
Minchen aber ſagte heimlich zu Frau Margreth: Mein Namenbrötchen iſt noch friſch und geſund. Nur ein Mal hat's ſeitdem Schimmel angeſetzt, der iſt aber wieder verſchwunden. Frau Margreth ſah ſie wehmüthig an und ſagte: Kind, Kind, verſündige dich nicht! Aber ſie hatte die Hoffnung aufgegeben und die Traurigkeit wich nicht mehr aus ihrem Herzen, ob ſie gleich mit Dank gegen Gott ſagte: Mein Ronemus iſt wieder, wie er einſt war, und der liebe Gott will in Gnaden meinen trüben Lebensabend erheitern. Aber Fritz iſt droben im Himmel und dahin zieht's mich auch. Kann auch eine Mutter ihres Kindes vergeſſen?— Selbſt die Freude, daß Käthchen mit dem braven Hoffmann ſich verheirathete und
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