Jahrgang 
1 (1858)
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probiren und ſeinen Bedarf zu kaufen, ehe ein Anderer käme und den Rahm

abſchöpfe.

Als er mit Gebhard am Rheine hinauf gen Rheindiebach ging, ſagte er: Meiſter Ronemus, Ihr ſeid alt geworden! Seit zwei Jahren ſeit Ihr weiß wie ein Täubchen und Euer Angeſicht hat tiefe Falten? Der Pflug der Zeit hat tüchtig gefurcht!

Iſt's ein Wunder, Herr Kurander, ſprach Gebhard und die Stimme wankte, weil er zum erſten Male zu einer Menſchenſeele von dem Leide ſprach, das er verſchloſſen in der eigenen Bruſt trug. Iſt's ein Wunder? Mein Sohn iſt fort ſeit fünf Jahren, und ich habe heute noch das erſte Wort von ihm zu hören. Kann da das Herz froh ſein? Seid Ihr im Hader geſchieden? fragte der Wein⸗ händler theilnehmend. Es war ein ſo braver Junge. Ich kann mir das nicht ut denken! Halb und halb, Herr, erwiederte Gebhard, und erzählte nun Alles.

un wird mir Manches klar, was ich dem Fritz übel nahm ſagte nachdenklich der Weinhändler. Er iſt doch ein braver Menſch!

Wiſſet Ihr Etwas von ihm, Herr? fragte heftig der Alte. Sagt mir's um Gottes Willen! Iſt er todt, ſo will ich trauern um ihn, wie ein Vater um ſein gutes Kind, aber ich weiß dann, daß er im Himmel iſt. Dieſe Un⸗ gewißheit bringt mich um! 3

Ja, ich weiß von ihm, aber nicht Alles iſt erfreulich ſagte der Herr Kurander. Seid Ihr gefaßt, es anzuhören? 3

In Gottes Namen redet! Ich will Alles hinnehmen in Demuth, was Gott ſendet, und Buße thun. Lebt er noch oder iſt er todt?

Der Weinhändler ſah den tief erſchütterten Mann an und es zog ein herz⸗ liches Mitleid durch ſeine Bruſt. Das weiß ich nicht, ſagte er; aber was ich weiß, will ich Euch erzählen.

Als der Fritz von hier ſchied, kam er gen Cöln, und da er mich kannte, ſuchte er mich auf und bat um Rath, wo er möchte Arbeit finden. Mein Küfer, der Meiſter Bauer, den Ihr ja auch kennet, war grade da und, während der Fritz und trank, erkundigte er ſich bei mir nach dem ſchmucken Geſellen, der ihm gefallen hatte. Als ich ihm nun geſagt, welcher Art der junge Menſch ſei, nahm er ihn gleich in Arbeit und in ſein Haus und da blieb er ein ganzes Jahr. Ich dachte, Ihr wüßtet das, ſonſt hätt' ich's Euch geſchrieben. Kam auch damals nicht her, weil der Wein ſelbigen Jahres ein Sauerracher war und ein Rachen⸗ putzer, den ich nicht brauchen konnte, ſonſt aber wohl verſehen war mit gutem Ge⸗ wächs. Der Fritz wuchs dem alten Bauer an das Herz; denn einen ſo geſchickten, zuverläſſigen, fleißigen und braven Geſellen, namentlich aber einen, der, wie Fritz, kein Shufer war, hatte er noch niemals gehabt. Aber er wuchs noch Jemanden in Bauers Hauſe in's Herz. Der Bauer hat nämlich nur ein Kind und iſt ein Wittwer. Das Grithchen aber iſt ein Ausbund von einem ſchönen Mädchen, acht⸗ zehn Jahre alt und eine lebendige, luſtige Here. Die verliebt ſich in den ſchönen Fritz bis über die Ohren, wie man ſagt, und ſetzt ſich in den Kopf: Den oder ſonſt Keinen!

Der Fritz war ſtille, traurig, in ſich gekehrt. Dem Mädchen war er höflich, freundlich, dienſtfertig, aber da war's am Ende. Es ſchien, als ſähe er gar nicht, wie ſchön das Mädchen ſei, und wie lieb ſie ihn habe. Wie es kam, weiß ich nicht, aber es ſcheint, dem Fritz gingen einmal plötzlich die Augen auf, und das eſchah, während er einige Wochen krank lag. Kaum war er geſund, als er dem Meiſter aufkündigte, der das ſo wenig begreift, als daß ſein heitres Kind auf einmal halb todt zu ſein ſcheint. Kein Lachen, kein Geſang, keine Freudigkeit, keine rothen Wangen mehr, wohl aber Leid und Thränen. Das waren räthſelhafte Geſchichten. Er bot dem Fritz reicheren Lohn; er dankte. Da fielen ihm erſt die Schuppen von den Augen, als er Grithchen das Geheimniß abpreßt. Er hätte, trotz dem, daß er ein guter Katholik und Fritz ein ſteifer pfälzer Reformirter war, ihm ſein Kind mit Freuden gegeben, das weiß ich; aber als er mit Fritz redete,

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