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ſtündlich daran und ängſtigt ſich, ob er noch lebe und geſund ſei oder nicht. Wer aber ſoll's Einem ſagen? Nun höre, hier herum*) hat man den Brauch, daß man in den Gedanken an den Liebſten oder die Liebſte ein Stücklein Brodtei wirkt, dann es zu einem Plätzchen macht, den Namen des oder der Liebſten dra ſchneidet und es in den Ofen thut, wo es ſechs Stunden liegen muß. Dann nimmt man's heraus und hebt's auf. Schimmelt es nicht, ſo iſt der, für den man es gebacken hat, friſch und geſund. Wird er krank, ſo beginnt es zu ſchimmeln; vergeht der Schimmel wieder, ſo iſt er geneſen; ſchimmelt aber das Namenbrötchen ganz zu Staub und zerfällt, ſo iſt er todt!—
Path, ſag' ich, das iſt Aberglaube und iſt Gott verſucht, bleibt mir weg da⸗ mit. Goit wird's wohl mit ihm machen und mit mir. Und wie er es ſendet, ſo will ich es nehmen und tragen in Demuth und Ergebung.
Verſteht ſich, ſagte der alte, brave Mann; aber nun fing er an, mir ſoviel vorzuplaudern, bis ich es endlich that. Nun hab' ich das Brötchen noch. Vor einem halben Jahre begann es an einem Ende etwas ſchimmelig zu werden, aber der Schimmel iſt verſchwunden, und das Namenbrötchen ſo friſch, als käm's eben aus dem Ofen! Daher lebt er und iſt geſund. Viele Leute haben Aehnliches erfahren, das allemal richtig war.
Frau Margreth war eine nüchterne, geſunde, gläubig⸗fromme Frau. Sie verwies dem Maͤdchen dieß ſträfliche Unternehmen, aber dennoch kam unvermerkt ein Strahl von Hoffnung in ihre Seele durch die zuverſichtliche Hoffnung des Mädchens. Sie plauderten ſo traut von ihm und tröſteten ſich gegenſeitig und es waren Stunden des Segens, die das heilige Band mütterlicher und kindlicher Liebe ſo feſt ſchlangen um die beiden Herzen, die in Einem Eins waren, als hätten es Jahre des Zuſammenlebens gethan. Sie ſchieden ſpät, um noch Etwas von ihrer Arbeit zu thun.
So verging ein Jahr nach dem andern und von Fritz kam keine Kunde. Der alte Gebhard trug ein Leid, das ſah Jeder, aber er ſchwieg. Es mußte ein Leid ſein, das ſich tief in ſeine Seele hineingewühlt hatte, denn er alterte. Die Furchen ſeiner Stirne wurden tiefer; das Haar bleichte, wie das ſeiner Frau, zu Schnee. Und doch konnte ſeine Seele dem Trotz nicht entſagen. Mit ſener Frau redete er nicht von dem Sohne. Er nannte ſeinen Namen nicht, und andere Leute, die ihn kannten, fragten nicht. Das Leben der Eheleute war kein rechtes mehr— das Vertrauen fehlte.— Die Arbeit geſchah regelmäßig, denn Gebhard hatte einen Geſellen wie's Wenige giebt, einen ſtillen, fleißigen, mäßigen, braven Menſchen der Konrad Hoffmann hieß. Er konnte ſich auf ihn verlaſſen, wie einſt auf ſeinen Fritz. Käthchen war in den fünf Jahren, ſeit Fritz verſchollen war, herangewachſen, der Mutter inneres und äußeres ſchönes Ebenbild, und es war bei Niemanden im Zweifel, daß Konrad Hoffmann Gebhard's Schwiegerſohn werden würde, denn er war ein Bacharacher Kind, braver Aeltern Sohn, war bei Gebhard in der Lehre geweſen und ſo zu ſagen mit dem Mädchen aufgewachſen; war dann drei Jahre auf der Wanderſchaft geweſen, hätte zu jeder Stunde können Meiſter wer⸗
den und ſich ſetzen können, blieb aber Geſelle bei Ronemus— nicht um ſeinet⸗ willen, meinten die Leute, ſondern— um der ſchönen Rahel willen, die ihn ſo
lieb hatte, wie er ſie. Er war ein Freund von Fritz geweſen, und ſchien nur deſſen Rückkehr abwarten zu wollen, um dieſe Sache, die ſo gut als gewiß war, zum fröhlichen Ende zu führen. Dennoch lag ein düſteres Weſen über dem Hauſe,
über dem Familienleben. Es war kein Hader und doch kein Friede— und darin lag der Jammer.— 73
Es war gleich nach Herbſt, ſo im fünften Jahre, ſeit Fritz fort war, da kam der Herr Kurander von Cöln, um den gutgerathenen Wein in den Thälern zu
*) Dieſer Brauch und Aberglaube iſt beute noch am Rheine verbreitet und wird fort und fort geübt. Ich gebe es hier, wie es das Volk glaubt. Dem ſträflichen Aberglauben Vorſchub zu leiſten, das ſei ferne! ¹ 1 3 Die Maje. I. Jahrg... 2 4


