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dunkel, ihr Auge noch ſo glänzend und klar— aber die anderthalb Jahre hatten ihren Nacken gebeugt, ihren Körper abgemagert, ihr Antlitz gebleicht, die Haare ſchneeweiß gemacht und ihr Auge matt und trübe. Ja, das Leid altert mächtig! Ein Jahr tiefgefuͤhlten Herzeleids thut mehr, als zehn Jahre im natürlichen Gange der Dinge, a Leid und nagenden Kummer. Das konnte man an Frau Mar⸗ greth recht anſchaulich ſehen. Langſam ging ſie dahin und das Auge blickte nicht
Rechts nicht Links, ſie ſah zur Erde, denn ſie dachte daran, wie oft ihr Fritz das Häckchen getragen, wenn er mit ihr gelaufen war, um in dem alten Kloſterge⸗ mäuer Erdbeeren zu ſuchen. Wo ſie ging und ſtand, waren ihre Gedanken bei Fritz, und dann und wann rollte eine Thräne in den Staub des Weges, der ſehr ſtark war, weil es lange nicht geregnet.
Vor ihr hin— etwa zwei Hundert Schritte— ging die ſchlanke Geſtalt eines ärmlich gekleideten Mädchens; ſie trug eine Hacke in der Hand, denn es war auch hohe Zeit, die Kartoffeln anzuhäufeln. Das Mädchen blickte einmal zurück und erkannte die Frau Gebhard. Von da an ging ſie langſam und ſtatt an der Bombach rechts ab in's Thal zu gehen, ging ſie voran in die Mauern des alten Kloſters, wohin, wie ſie wußte, Frau Gebhard ging. Die hatte auf das Mädchen gar nicht geachtet. Als ſie aber jetzt auch in die hohen Mauern mit einem tiefen Seufzer hineinging, ſah ſie plötzlich unter dem blühenden Holunder, der dort aus den Mauern heraus gewachſen iſt, neben Lindau's großem Nuß⸗ baume— das Minchen ſtehen, das ſie erwartete.
Site erſchrack nicht, nein, eine helle Freude erleuchtete die kummervollen Züge. Das Mädchen weinte und ſtreckte ihr beide Hände entgegen.
Minchen, mein Kind, Gott ſegne dich! rief ſie ihr entgegen und faßte die beiden Hände des Mädchens und weinte auch. Und ſo ſtanden ſie lange.
Ach Gott, hob endlich die Mutter an, was mag aus ihm geworden ſein? Warum ſchreibt er nicht?
Gott allein weiß es! hauchte leiſe das Mädchen hin und blickte liebevoll in der Mutter Angeſicht, das ihr die Züge des geliebten Jünglings zeigte.
Ja, der weiß es und ob er noch unter den Lebenden iſt. Ich zweifle dran. Dir hätte er geſchrieben, Kind, denn du biſt ſein Ein und Alles!
Er lebt und iſt geſund, ſagte das Mädchen mit einer Zuverſicht, die Frau Maxgreth ſelbſt ergriff, weil ſie keinem Zweifel Raum ließ.
Woher weißt du das meine Tochter? Du wirſt dich doch nicht verſündigt und die Karte haben ſchlagen laſſen oder noch Etwas?— Mir wird bange um dein Seelenheil! ſagte ſorgenvoll Frau Margreth.
Gott behüte mich! erwiederte das Mädchen. Setzet Euch ein Bißchen hier zu mir auf den alten Fenſterſtein, dann will ich's Euch vertrauen. Wir ſind ja ſo alleine hier und ich danke Gott, daß ich Euer Leid in Etwas mildern kann. Ich glaube und hoffe, daß er lebt und geſund iſt!— O du junges Herz, ſagte die Frau, Gott erhalte dir deinen Glauben und deine Hoffnung und laſſe ſie wahr werden! Was willſt du mir erzählen?— Botſchaft haſt du alſo keine?— Woher weißt du es denn ſonſt? Das Mädchen ſchüttelte leiſe den ſchönen Kopf und Frau Margreth ſah mit trübem Blicke in das klare, leuchtende Auge des Mädchens, aus dem die Hoffnung blickte, ſo ſreudig und getroſt, daß ſie es nicht begriff! Als Fritz weg war, einen oder zwei Tage, und ich in tiefem Leide am Fenſter ſaß, erzählte Minchen, kam mein Pathe, der Bäckermeiſter Praß, der neben dem Marktthore, dem Hirſch gegenüber, wohnt, und ſagte: Minchen, komm' ſchnell mit! Was ſoll ich denn? fragte ich. Komm' nur, ſagte er, du wirſt's ſchon ſehen!
Er zog mich mit die Mauertreppe am Bauersthörchen hinauf, über die Mauer hin, und die Treppe neben dem Marktthor herab, in ſeine Thüre, und rechts in die Backſtube. Hier zog er mich auf die Bank nieder. Kind, Gothchen, hob er an, wir ſind hier ganz mutterſeelenalleine; da muß ich dir Etwas ſagen. Ich weiß
das Leid, das du um den Fritz trägſt; ich weiß, wie's einem zu Muthe iſt, wenn man ferne iſt von dem, was man lieber hat, als ſein eigen Leben. Da denkt man


