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Der wußte mehr, als Andere, wie es um Gebhard's, wie es um Fritz und Minchen ſtand und er war ein goldtreuer Menſch.
Woher und wohin, Fritz? fragte er betroffen den Jüngling.
Auf die Wanderſchaft, ſagte ruhig und feſt der Jüngling, der ſeine Ruhe unter der Linde im Gebete wieder gewonnen hatte und nun getroſt in die Welt ging.
Ich hab' eine Stunde Zeit, agte der ehrliche Menſch, und da kein Kamerad dich begleitet, ſo will ich's thun und dir das Felleiſen tragen: das war ſo Sitte, daß die Geſellen den Wanderburſchen begleiteten und ihm das Felleiſen trugen. Hier war's anders. Ein alter Mann wollte es thun in treuer Liebe zu dem braven Fritz. Aber der that's nicht, weil's Unrecht geweſen, daß der Alte die Laſt trage und der Junge ledig neben dran gehe. Das verdroß den Alten auch nicht, weil er die Geſinnung erkannte, aus der's herfloß und er begleitete ihn bis unter den Kreuzſtein hinab. Da mußte er ſcheiden. Er drückte des Jünglings Hand und ſegnete ihn, und der ſagte: Pelzer, grüßet meine Mutter noch einmal und— noch Jemand! Ihr wiſſet's ja! Der alte Pelzer nickte ſchweigend und ging. Fritz blieb ſtehen und ſah ihm lange nach. Es war ja das letzte, treue daharache Herz, von dem er geſchieden war!—
Alle Männer in der Lindenmaje fühlten ein ſtilles Weh durch ihre Bruſt ziehen. Keiner ſprach ein Wort, als Schmitz ein wenig inne hielt, und der Knabe, der neben Pfaffen Willem ſaß, wiſchte ſich Etwas aus dem Auge, was einer Thräne ſo ähnlich ſah, als ein Tropfen Waſſers dem andern.
III.
Ja, ſagte endlich Bräunches Willem, wenn der Teufel in eine Menſchenſeele gefahren iſt, ſo hat er ſein Weſen drinn. Ich bin ein alter Junggeſell, aber wenn ich mir's ſo zurechtlege, ſo begreif ich nicht, wie es möglich war, daß der alte Ronemus ſchlafen konnte? Das arme Weib ſchlief gewiß nicht! Auch das arme Minchen nicht!—
Aber Schmitz, wohin hat ſich der Fritz Gebhard gewendet, und wie iſt es ihm ergangen? 4 3
Ich möcht' lieber wiſſen, was der alte Iſegrimm gemacht hat, als er auf⸗ ſtand am andern Morgen, und wie es bei dem Mädchen ging, ſagte der kleine Schuhmacher Scheib von der Bach, der ſo hieß, weil ſein Haus unmittelbar auf der Stelle ſtand, wo der Münzbach vorüberbraußt und noch daſteht, da ſeine Nach⸗ kommen es bewohnen.
Was ſoll ich dann nun thun? ſagte Schmitz nachläſſig. Nun, ich denke, der Willem unterbricht mich oft genug. Der Scheib iſt älter; dem will ich folgen.
Meinetwegen! brummte Willem, den das verdroß und die Andern lächelten und nickten dem Kürſchner Beifall zu. Er fuhr fort:
Wohl hatte die arme, vielgeprüfte Mutter ſo lange geweint und zum Herrn für ihr Kind gebetet, bis ſie endlich, überwältigt von der Ermattung des Leibes und der Seele, ohne es ſelbſt zu wiſſen, in einen tiefen Schlaf ſank. Sonſt war ſie wacker, wie eine Schwalbe. Heute wurde der Alte zuerſt wach. Er ſah ſeine Frau noch ſchlafen und wollte ſie wecken; aber ihre Augenlieder waren roth und dick vom vielen Jammern und Weinen, und ihre Hände waren noch ſo krampfhaft feſt gefaltet, wie ſie betend entſchlafen war. 1
Jetzt entſann er ſich deſſen genau, was geſchehen war und in dieſem Augen⸗ blicke ſchluchzte die Arme im Traume— ſie träumte von ihrem Kinde— da wehte ein Odem Gottes das harte Herz an. Er blickte in das bleiche, ſchmerzvolle Antlitz ſeines vortrefflichen Weibes, mit dem er ſo lange glücklich gelebt, bis Geiz,
Neid und Ehrgeiz ihn ihr, ſie ihm entfremdet hatte, und ein Strom des Unglücks
ſich in ſein häuslich und ehelich Leben ergoß, den er ſelbſt mit frevelnder Hand hineingeleitet hatte. Er ſah ſie im Geiſte, wie ſie die bluhende, ſchöne, vielgeliebte, reiche Meiſterstochter ihm, dem armen Küfergeſellen, aus Liebe ihr Herz und ihre Hand gereicht und er ihr geſchworen, dieß Opfer ihr nie zu vergeſſen und ſie im


