Jahrgang 
1 (1858)
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Thüre. Da überkam ihn ein ſeltſam Gefühl. Ich weiß nicht, wie mir's iſt, ſagte er, aber es liegt mir Etwas im Gemüthe, als käme ein Unglück über mich, als müßte ich von dir fort. Sie tröſtete ihn, aber er hielt ihre Hand feſt und ſagte, ach, daß ich dieſe Hand nicht verlöre! Halt ein, ſagte das Mädchen ernſt und pen. Mein Herz und meine Hand iſt dein, Fritz, das ſei vor Gott geſchworen!

Da ſchloß er ſie zum jerſten Male an ſeine Bruſt und drückte den Kuß der Ver⸗ lobung, den erſten auf ihre reine Lippe. Dann riß er ſich los und eilte heim und Minchen ſtand lange an der Thüre, denn ſie zitterte über das, was ſie geſagt. Was ihm geahnt, das traf ein. Mit Lerhaltener Wuth trat ihm ſein Vater ent gegen und fragte, wo er geweſen ſei? Der Sohn ſah an des Vaters Geſicht, wo es hinaus wollte, aber Fritz that nichts, was er hätte verhehlen müſſen. Er ſagte alſo beſcheiden, wo er geweſen und ohne Hehl.

Da brach das Wetter los! Es brach los wie ein verheerender Sturm, der Alles mit ſich fortreißt. Fritz ſchwieg demüthig bis ſich endlich die Wuth entladen hatte, und einige Ruhe eintrat. Die liebende Mutter hielt fälne Hand, daß er Kraft gewänne, in kindlicher Ergebung Lllle zu ertragen. Es gelang. Freilich wollte Anfangs auch ſein Zorn aufwallen. Die Mutter ſah's. Fritz, um Gottes willen, vergiß dich nicht! Es iſt dein Vater! ſo flüſterte ſie ihm zu und der brave Sohn wich nicht von der Pflicht; ja ſeine innere Ruhe kehrte wunderbar wieder, während des Vaters Zorn loderte. Jetzt, wo der Alte inne hielt, wie auch draußen der Sturm einmal einen Augenblick ruht, um aber neuen Athem zu ſchöpfen, be⸗ gann Fritz ruhig alſo zu reden: Ich ſehe wohl, Waler⸗ es iſt Zeit, daß ich gehe, in die Welt gehe, wohin es ſei. Euch bin ich ein Dorn im Auge geworden, ſeit ich das Minchen lieb habe. Die Zunft hat mich los geſprochen. Ich ſoll wan⸗ dern; ich will es heute noch. Dann kehrt vielleicht für meine arme, gute Mutter der Frieden wieder. Sie erduldet die Hölle in dieſem Hauſe, bis ich fort bin. Der Alte fuhr betroffen in die Höhe. Das hatte er nicht erwartet. Der Herbſt war gut und reichlich geweſen, und Arbeit war in Hüll' und Fülle da. Er hatte nur Einen Geſellen und wußte auch keinen mehr zu finden. Fritz hatte für Zweie gearbeitet, das müßte ihm ſein Todfeind ſagen, wenn er einen gehabt hätte. Was

ſollte er nun anfangen? Das fuhr wie ein Blitz durch ſeinen Kopf. Und doch ſollte er ſich von dem Sohne trotzen laſſen? Nein! das ging ihm gegen

das Kamiſol. Gut, ſagte er, geh' wohin du willſt! Ich habe Nichts dagegen.

Ich gehe, Vater, aber ich habe nie heimlich Geld gehabt, wie es Andere machen. Seid ſo gut und gebt mir einen Zehrpfennig, daß ich nicht fechten muß. Ihr ſagtet oft ſelbſt, das ſei des Handwerks Schande. Du ſollſt's haben! ſtiß der Alte heraus.

Ich danke Euch ſprach Fritz. Seid ſo gut und legt's hier auf den Tiſch, und dann lebt wohl! Gott behüte Euch! Er reichte dem Vater die Hand, die dieſer kaum drückte, und ſagte dann zur Mutter: Es hat mir vorgeſtanden, daß es ſo kommen würde, liebe Mutter. Mein Felleiſen hab' ich ſchon, meine Kleide pack ich ſelbſt, nur meine Hemden und Strümpfe und Halstücher ſeid ſo gu mir zu geben und zu packen, das verſtehe ich nicht ſo gut.

Damit nahm er ein Licht vom Tellerbrett, das über der Thüre und den Fenſtern hinlief; reichte noch einmal dem Vater die Hand und ſagte: Gute Nacht! Dann wandte er ſich um und ging hinaus und die weinende Mutter wankte hinter ihm her.

Der Alte ſaß bleich im Sorgſtuhle. Die Reue ſchlich leiſe an ſeine Seele heran, aber er wies ſie trotzig zuruͤck, ging an das Wandſchränkchen, nahm Geld heraus, wickelte es ein, legte es auf den Tiſch und ging in die Kammer, wo er ſich zu Bette legte und bald tönte es aus der Kammer heraus, als ob ein Zimmer⸗ mann aus zähem Holze Dielen ſchnitte. Um das Herz lag eine dicke Kruſte und es mußte arg kommen, wenn die gebrochen werden ſollte.

Droben im Kämmerlein des Sohnes fiel ihm die Mutter um den Hals und weinte laut. Ach, rief ſte, meinen Mann hab' ich verloren, ſeit er ein Anderer

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