Jahrgang 
1 (1858)
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Meinſt du, ich ſollt's zugeben, daß der Bub das Bettelmädel heirathe? rief er aus. Niemals, ſo lange ich lebe! 3 Nun, ſagte ruhig die Frau und hörte auf den Knecht ihres ſchnurrenden Rades zu drehen; man meint, du wärſt mit einem goldenen Breilöffel gefüttert worden! Ich weiß doch auch, daß dein Vater ein armer Mann war! Macht das Etwas aus? Hab ich gefragt: Ronemus, haſt du Geld oder Gut? Pfui, ſchäme dich! Emmerich iſt nicht durch ſeine Schuld arm geworden, und das Mädchen iſt die Perle von Bacharach! Das ſagt alle Welt. Dem Alten zuckte das offene, wahre, ſchlichte Wort des braven Weibes, der es nicht einfiel, auf ihr Vermögen zu pochen, die aber den Hochmuth ihres Alten gerne brechen oder doch dämpfen wollte, durch die Seele. Es war richtig, drum traf es ihn deſto ſicherer. und ſtärker. Wirfſt du mir meine Armuth vor, ſo hab ich durch meinen Fleiß dein Vermögen verzehnfacht! rief er zornig aus. Ronemus, ſagte ſte ſanft, ich denke daran nicht, wollte doch aber erinnern, ſo billig gegen deinen braven Sohn zu ſein, wie du damals wünſchteſt, daß mein Vater gegen dich ſein möchte. Er war's, ſo ſei's nun auch!

Da hört man's, wo der Taugenichts ſeine Stütze hat rief er aus. Du biſt eine ſo breiweiche Weiberſeele, die alle von Natur Kupplerinnen ſind, das heißt, die Leute zuſammenbringen: wollen. Gelt, deinem Söhnchen das Mädchen geben, das wär' ſo deine Sache? Ich kenne dich! Taugenichts nennſt du unſern Erben? ſprach mit wunderbarer Würde die Frau. Gott vergebe dir's! Alle Welt nennt ihn ein Muſter eines jungen Menſchen und Gottlob! es iſt eine volle Wahrheit! Pfui noch einmal! Der Vater ſelbſt verunehrt ſein Kind! Pfui der Schande! Daß er das Minchen lieb hat, hörſt du's, was ich ſage? das nehm' ich ihm nicht nur nicht übel, ſondern ich billige es; denn ſie iſt ſo ſchön,

wie keine Zweite hier, und unter allen die Sittigſte, Reinſte, Fleißigſte, Einge⸗. zogenſte. Das iſt mein letztes Wort; Meinen Segen hat er, wenn er ſie hei⸗ . rathen will. 8 Und meinen Fluch! ſchrie der Alte und ein Strom von Gift und Galle er goß ſich über das feſte, entſchiedene, vortreffliche Weib.

Sie weinte leiſe; aber das focht ihn nicht an, der ſich alle Augenblicke mehr in den Zorn hineinredete. Es fielen ſchneidende Worte. Die brave Frau ſchwieg lange. Endlich berührte er einen Punkt, da konnte ſie nicht mehr ſchweigen. Du ſagſt, der Fritz verletze deine Ehre? ſagte ſie. O Gebhard, wer hat deine Ehre zertreten? Wer hat dir die Achtung der Leute geraubt? Du, du ſelbſt, als du den Judasſtreich machteſt gegen meinen Willen, Rath, Bitten und Flehen! Die Strafe Gottes hat dich ereilt. Deine Kundſchaft iſt fort, deine Achtung hin. Man ſagt es dir ja in's Geſicht, du gehörteſt nicht in den Rath der Stadt, in den Kirchenälteſtenſtuhl! Weißt du das etwa nicht? Hat dir's nicht noch geſtern der Engelwirth drüben, der Stoll, an den Kopf geworfen, und du haſt die Thüre zu⸗

1 gemacht und haſt's einſtecken müſſen? Schlimm iſt's, wenn das die Frau ihrem 4 Manne ſagen muß, an dem ſie hinauf ſehen ſoll; aber du zwingſt mich dazu. Emmerich's ſind unbeſcholtene Leute. Wollte Gott, wir wärens auch!

Sie fing laut an zu weinen, denn das arme gepreßte Herz hatte ſich einmal

Luft machen müſſen.

Das aber ſchlug ein und durch bei ihm. Er lief hinaus und warf die Thüre zu, daß ſie krachte. Nach einer Weile kam er wieder, bleich vor Zorn und Wuth. Wo iſt der Bub? fragte er.

Ich habe Urſache zu glauben, daß er in Emnerich's iſt, ſagte die Frau ruhig und ſanft.

1 Da begann er auf's Neue zu toben, bis er ſich in den Sorgſtuhl warf und ſtille wurde. Innerlich aber kochte und gohr es fürchterlich. Gegen ſeine Frau wagte er nichts mehr zu ſagen, aber für den Fritz ſammelte ſich ein Wetter mit Blitz und Donner. Der ahnte nichts, denn er ſaß bei Minchen und ihren Aeltern.

Als es zehn Uhr ſchlug, ſtand ek auf und Minchen begleitete ihn bis an die

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