Jahrgang 
1 (1858)
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mein Küfer, denn mit ſo Einem, wie Ihr ſeyd, will ich Nichts mehr zu thun haben! Da iſt er ſchier zum Hauſe heraus getaumelt vor Scham, Zorn, Reue und Gift. Das war aber nur der Anfang; denn Ihr wiſſet und ich hab's ſchon deſagt, daß der pfälziſche Landſchreiber und der Saalſchultheis ſich einander von Amtswegen ſpinnen⸗feind waren. Kaum hörte der Landſchreiber des Gebhard's Judasſtreich Bumms! da ließ er den Gölz kommen und übergab ihm alle Amts⸗ und Zehntkeller und beſchied den Gebhard und ging mit ihm um, daß der kopfſcheu wurde und davon lief. Das war das Gericht der Menſchen, Ihr Bürger. Das Gericht Gottes blieb auch nicht aus. Man ſagt im Sprüchwort Gottes Muhlen mahlen langſam aber fein! Der Gebhard erfuhr's. Die ganze Stadt, ob ſie gleich den geadelten Landſchreiber nicht lieb und dazu auch keine Urſache hatte, billigte doch ſein Verfahren gegen den Gebhard, weil der es grade ſo ver⸗ dient hatte. Nun erſt ſah der alte Ronemus, daß der Neid ſein eigener Feind iſt, denn er hatte ſich heillos geprellt. War auch die Küferei im Saal einträͤglich, ſo trug doch die pfälziſche Saalkellerei dreimal ſoviel ein, und ſo war's denn ein ſchwerer Verluſt, den er ſich zugefügt, ſtatt des Gewinnes, den er gehofft, und ſo ſollt's allen Neidſäcken gehen in der Welt, und es geht ihnen auch ſo. Ich denke da an eine andre Geſchichte, wo es grade ſo ging, wie hier

Bleib' bei der Schnur! ſagte Bräunches Willem. Du biſt ſo witſchelig, wie eine Blindſchleiche und ſo geſchmeidig, wie ein Aal. Hält man dich nicht feſt, ſo kommſt du von dem Kraut in die Rüben. Wir wollen die andre Geſchichte jetzt nicht hören. Alſo voran! Die andern Leute lachten, aber ſie gaben doch dem 4 Willem Recht.

. Der alte Gebhard wurde durch dieſe Erfahrungen nicht gebeſſert, nur erbittert * und hartnäckig und hart gegen ſeine Frau und ſeine Kinder. Gegen andere Leute wurde er bitter und unfreundlich. Seine Kundſchaft nahm ab. Nur der Saal⸗ ſchultheis und der Weinhändler Kurander von Köln blieben ihm treu. Aber mit dem alten Gölz? Wie gings da? Einander ſo nahe zu wohnen und ſich ſo

tödtlich zu haſſen, wie die Zweie, das war ſchlimm. Sie ſpielten ſich alle Schaber⸗ nacke, wo und wie ſie konnten. Das Schlimmſte aber war, daß ſie zuſammen im Rathe der Stadt und im Kirchenvorſtand ſaßen und natürlich auch in der Zunft⸗ ſtube. Wollte der Eine Rechts, ſo wandte ſich der Andere Links. Da litt ge⸗ meine Bürgerſchaft und das Wohl der Kirchgemeinde. Daß aber der alte Goͤlz auch kein Engel war, iſt gewiß. Er war ſo reich, wie Hieronymus. Gebhard auch und ſo neidiſch und geizig, ſo hochmüthig und hochfahrend, wie der auch.Ich falle um die Wahl nicht die Treppe hinunter ſagt der alte Sebaſtian Fabian in ſeiner Chronik von Bacharach, aus der ich die Geſchichte habe. Am Abſcheulichſten benahm ſich der alte Gölz gegen den armen Peter Emmerich. Der wohnte in dem Eckhauſe der Bauersgaſſe, wo der Brunnen iſt. Hernachmals hat es der Schiffer 4 Scheidt gekauft, der es bewohnt, nachdem er es hat aufbauen müſſen; doch davon 3 rede ich ſpäter. Der Emmerich war des alten Gölz leiblicher Schwager. Er war früher ein wohlſtehender Schiffer geweſen, aber im Bingerloche verunglückte er mit ſeinem Schiffe, das ſchwer beladen auf der Thalfahrt nach Köln war. Er hatte in Mainz Weizen geladen. Dieß Unglück machte ihn bettelarm. Er ernährte - ſich lediglich dadurch, daß er mit dem Nachen, den er aus dem Schiffbruche im

Bingerloche rettete, die Leute über und über ſetzte, von Einem Ufer auf das An⸗

dere. Das iſt heute ein kärglicher Erwerb und jetzt fahren an Einem Tage mehr Leute über den Rhein, als damals in einer Woche. Es war ſein Verdienſt zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel.

Das weiß Niemand beſſer, als der Ludwig Prätorius, ſagte Bräunches Willem; und warum die Leute überfahren, wiſſen wir auch leer hinuͤber . voll herüber; denn hier koſtet das Pfund Kaffe einen Kronenthaler und drüben

24 Kreuzer. Das weiß Niemand beſſer, als die Schmuggler von Profeſſion, ſagte Schmitz . und lächelte ſchelmiſch dabei und ſah den Willem an.

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