Jahrgang 
1 (1858)
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Küchelchen wurde der Amtsnachfolger des Saalſchultheiſen Rima, denn in Chur⸗ köln erbte ſo ziemlich Amt und Würde, und wem der liebe Gott ein Amt gab, dem gab er auch Verſtand. Damit will ich aber nicht den Küchelchen gemeint haben, denn der hatte dieſe Gottesgabe. In Churpfalz gings ja nicht beſſer, und die pfälziſchen Beamten wurden doch alle Lumpen weil der Bauch ihr Gott war! Himmel und Erde, was brachten diee durch!

Man meint, du wärſt Bratenwender geweſen? warf der Bräunches Willem ein. Laß ſie in Ruhe. Sie haben ihr Theil verſchlemmt, und bleib bei deiner Geſchichte! Sind auch alle fort und begraben.

. Schmitz warf ihm einen giftigen Blick zu, denn er war eben im Zuge, ein paar Geſchichten von den Gaſtmählern der pfälziſchen Amtleute zu erzählen, die dem bekannten Sprüchlein huldigten: Fröhlich Pfalz, Gott erhalt's! Allein Willems Mahnung fruchtete.

Um wieder auf meine Geſchichte zu kommen, hob er an, ſo war kaum der Herr Saalſchultheis Rima kalt, ſo machte ſich der alte Ronemus auf die Beine, ſetzte ſich in des Konrad Eidams Schiff, darinnen er dem Herrn Kurander, der dazumal Einer der Hauptweinhändler zu Köln war, ſieben oder acht Fuder Manu⸗ bacher ſandte und ſchiffte ſelbſt gen Köln. Niemand fand was darin. Kein Menſch merkte, was der Schleicher wollte, als ſeine brave Frau, die eine feine Naſe hatte: Die Haderworte, die's da gab, als ſie ihm in's Gewiſſen redete, will ich Euch nicht wiederholen, denn der Ronemus war eckig und hitzig. Daß die Frau Nichts ausrichtete, das war das Ende, und er fuhr gen Köln. Der Herr Kurander aber war ein weitläufiger Onkel von dem Herrn Küchelchen, der Saalſchultheis geworden war und hielt Etwas auf den Ronemus. Hinter den macht ſich nun der Ronemus und verkalfaktert den Gölz der Maßen, daß der Herr Saalſchultheis Küchelchen den Gölz abſetzt und den Ronemus zum Küfer der Saal⸗ kellnerei macht. Der ſpringt vor Luſt, denn nun iſt er Hahn im Korbe; hat die zwei Kellnereien zu Kunden und nun kann's nicht fehlen, daß ſein Sohn Fritz, der auch Küfer, und ein Muſter eines braven jungen Menſchen war, die Tochter des. reichen Joſua Lang bekommt, darauf er ſchon lange ſpekulirt hatte, freilich, ohne den braven Jungen zu fragen, der ganz anderer Meinung war. Des Joſua Lang's Lieschen war ein hochmüthig Dunzelchen und hatte mehr rothe Sommer⸗ flecken im gelben Geſichte, als Sterne am Himmel ſtehen, und fuchs⸗feuer⸗fackel⸗ rothe Haare und war ein giftig Stück mit einem ſo böſen Maule, als damals Eins in Bacharach war und hier hat's doch, wie wir alle wiſſen, Niemals daran gefehlt!.

Laß mir die Weibsleute in Ruhe, ſagte Willem, der ein alter Junggeſelle war. Wie ging's, als nun der Neidſack, der Ronemus, heim kam? Davon rede und komm' mir nicht alle Amen⸗lang in eine Nebengaſſe!

Wie's ging? ſagte Schmitz, das kannſt du dir denken! Erſtlich war der alte Gölz aus allen Fugen. Der faſelirte und tobte, wie ein angeſchoſſener Eber. Freilich, ſehr übel konnte man's ihm nicht nehmen. Es iſt keine Kleinigkeit, wenn. Einem Brot und Verdienſt ſo vor dem Munde weggeſchnappt wird und dann noch auf eine ſo hinterliſtige, falſche und tückiſche Weiſe. Zum Andern aber war in der Stadt nur wahrer Ingrimm gegen den heimtückiſchen Menſchen, der in ſeiner G Habſucht nie ſatt wurde und Niemand, als ſich ſelber Etwas gönnte. Der Ro⸗ nemus Gebhard war früher ein geachteter Mann in der Stadt, aber nun war ſein

Reſpekt zertreten und er hatte alle ſeine Pläne ſelbſt zu Nichte gemacht; denn der Joſua Lang klopfte ihm am Fenſter, als er zum erſten Mal nach der Geſchichte 1 an ſeinem Hauſe vorbei ging und Gebhard eilte hinein, weil er es mit dem alten, reichen Geizhals gut ſtehen halten mochte. Aber der las ihm ein Kapitel aus den

Leviten, wie's zwar nicht in dem Buche ſteht, aber geſalzt war's und einen Judas nannte er ihn, einen Tuckmäuſer und Kalfakter, daß der Ronemus da ſtand, wie eine begoſſene Katze, und ihm die Beine ſchlotterten. Und als er ſich wandte, um foortzugehen, ſagte der alte Joſua: Noch Eins, Meiſter. Der Gölz iſt in Zukunft