Jahrgang 
1 (1858)
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Gut, daß du daran erinnerſt, ſagte Guntrum. Der Kürſchner ſagte mir geſtern, er habe in der Chronik des Sebaſtian Fabian eine prächtige Beſchreibung davon geleſen und eine merkwürdige Geſchichte, die ſich dabei zutrug. Das muß er uns erzählen!

Ich zappelte vor Freuden, denn grade das war meine Liebhaberei.

Ja, ja, ſagten die Majengenoſſen, und Schnitz ſträubte ſich nicht.

Der Neid iſt des Teufels Hauptkunſtſtück, hob der Kürſchner an, damit er die Menſchen an einander hetzt und das Herzeleid iſt allemal das Ende vom Lied. Iſt Einer reich, ſo beneiden ihn die Andern um ſein Geld, und man meint, Heil und Seligkeit hinge an ſo ein paar churtrieriſchen Fettmännchen. Hat Einer ein Amt und ſteht zwei Finger breit höher, als die Andern, ſo beneiden ſie ihn um Anſehen und Würde. Hat Einer mehr Verdienſt im Handwerk, ſo fährt der Brodneid in die Herden und rumort drinnen herum.

Nun? fragte Bräunches Willem, was willſt du mit dem Geſtichel? Erzäh'l doch!

Wart's ab! trumpfte ihn der Kürſchner. Ihr kennet alle das Haus an der Marktecke, der Kirche gegenüber, das dem Konrad Gölz gehört. Es iſt Eins der ſchönſten Holzhäuſer unſrer Stadt und die Fremden betrachten's Alle und Viele haben's ſchon abkonterfeit. Damals wohnte Konrad's Vater drinnen, der ein Küfer war, wie Konrad Gölz. Er hatte viel zu thun, war ein geſchickter Küfer, nur machte er's, wie alle Küfer, er trank häufig über den Durſt machte aber dann beim Abſtich doch keine dummen Streiche, weil er's im Griffe hatte. Er führte die Weinhändler nach Steeg und Breitſchied, und war Küfer bei der chur⸗ kölniſchen Saalkellnerei. Das trug ihm viel Geld ein, denn der Saal hatte viele

Theilweinberge, Zinſen und Gefälle in Summa, er ſtand ſich ſehr gut. Neben dem Saal, dem goldenen Engel gegenüber und der Fleiſchgaſſe ſteht ein ebenſo ſchönes, altes Holzhaus, darinnen die Zechherren ihren Saal hatten. Dieß Haus gehörte dem alten Hieronymus oder, wie wir ſagen: Ronemus Gebhard, und iſt hernachmals an deſſen Tochtermann, den Hoffmann gekommen. Der Ronemus war

auch ein Küfer und hatte zur Kundſchaft die churpfälziſche Kellnerei am Oberthor,

wo der Landſchreiber wohnte jetzt haben es die franzöſiſchen zwei Gens'darmen

3 ein, und haben, bei meiner Treu! Platz genug in dem ungeheuern Gebäude; da⸗ mals ſtand, wie Ihr Alle wiſſet, der Saal noch, dieß prächtige thurmreiche Ge⸗ bäude, deſſen Treppe man hätte hinaufreiten können. Die Franzoſen, die haben's vor'm Jahr niedergeriſſen ohne Grund und Urſache! Darin wohnte der Kölniſche Herr Saalſchultheis. Dieſer und der pfälziſche Landſchreiber lagen ſich das ganze Jahr in den Haaren, und fingen allemal am neuen Jahrestag den Hader von vornen an. Wie der Herr, ſo's Geſcherr, ſagt das Sprüchwort, und: Deß Brod ich eſſe, deß Lied ich ſinge. Damit will ich ſagen, daß die zwei Küfer ſich haßten, wie Katzen und Hunde, und hatten doch Beide zu leben vollauf, denn der Ronemus führte die Weinhändler nach Diebach und Manubach, wie der Gölz 1 ſeine Kunden nach Steeg und Breitſchied, und Jeder verdiente ſeinen Reichsthaler vom Faß, aber Keiner gönnte dem Andern das Weiße im Auge, und waren doch 11 Spielkameraden geweſen, mit einander auf der Wanderſchaft; ſaßen alle Beide im 4 Rath der Stadt und im Kirchenvorſteherſtuhl in der Kirche, aber der Teufel hatte Brotneidſamen geſäet und der war reichlich aufgegangen und trug bittere Früchte.

Der Feuerbrand des Neides ſollte aber damit nicht ſeine Grenze haben, der

wuchs noch ärger, als Anno 1719 der Herr Saalſchultheis Rima ſtarb, alt und . lebensmüde, und war der eheleibliche Sohn des Saalſchultheiſen Rima, der Anno 1632 ſeinem Vater im Amte gefolgt war, als ſeltmals die Schweden kamen und deſſen Schweſter den Inſelius geheirathet. Nun, der alte Rima konnte abkommen. Kinder hatte er nicht und betrauerte ihn eigentlich Niemand, und hatte lachende Erben, nämlich ſeinen Vetter den churkölniſchen Conſulenten von Küchelchen, der aber den Adel nicht führte. Es iſt kurios! Der churpfälziſche Landſchreiber hatte 3 ihn in Wien bei'm Kaiſer für baares Geld gekauft. Dreißig Tauſend Gulden für armſelige drei Buchſtaben! Es gibt ſeltſame Narren in der Welt! Item, der