442 Der Goldschmied Jancovius.
dem Abendmahl fühlte ſich der Geiſtliche ſelbſt aufs äußerſte ergriffen; Jancovius aber ſtand vor ihm ver⸗ klärt, gleich einem Märtyrer, reichte ihm die Hand und bat ihn, dem Schmied Dittmann ſeine Verzeihung zu bringen.
Als man dieſem die letzte Aeußerung ſeines Mit⸗ ſchuldigen überbrachte, befand er ſich bereits in Folge der Todesangſt in geiſtiger Betäubung. Er ſchüttelte krampfhaft die Hand des Geiſtlichen und erklärte, daß auch er dem Jancovius vergebe, ſprach aber ſonſt nur noch in Bibelſtellen. In dieſer geiſtigen Verfaſſung
erſchien er auch auf der im umſchloſſenen Raume des
Gefängnißhofes aufgeführten Richtſtelle, wohin er als der Erſte gebracht wurde. Als man ihn vorführte, wandte er ſich zu den Richtern und Gemeindeverordne⸗ ten und ſprach Verſchiedenes in unzuſammenhängenden Sätzen.„Wenn Sie wüßten, wie das Alles zugegan⸗ gen!“ waren die letzten Worte, mit denen er das Schaf⸗ fot beſtieg. Er hatte noch bis zum letzten Augenblick eine Begnadigung erwartet.. Als die Nachricht, daß Dittmanns Kopf gefallen, nach oben zu Jancovius gelangte, ermahnte ihn der
Geiſtliche zum letzten Mal, er möge bekennen, noch jetzt,
wo der Eine bereits vor ſeinem himmliſchen Richter ſtehe und er in wenigen Minuten nachfolgen müſſe. Vergeblich! Der Unterſuchungsrichter rief ihn ab, und, nachdem man ihn entfeſſelt, eilte er mit leichten Schrit⸗ ten die Kerkertreppen hinab, ſodaß die Uebrigen kaum folgen konnten. Mit einem verbindlichen, faſt chevaleres⸗ ken„Guten Morgen, meine Herren!“ begrüßte er die An⸗ weſenden, entkleidete ſich ſchnell, händigte dem Geiſtli⸗ chen noch dies und jenes als Andenken für ſeinen Sohn aus und beſtieg geſammelt und faſt freudig, einem


