Zeitschriftenband 
24 (1856)
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Der Goldschmied Jancovius. 441

Geiſtliche, der dem Jancovius aſſiſtirte, erzählt von der großen Feierlichkeit dieſer ernſten Stunde. Eine tiefe Stille lag über dem Gehöft des Gefangenhauſes; nur zuweilen ertönte die Hausglocke und kündigte die Vor⸗ bereitungen zur Errichtung des Schaffots an. Allmälig wurden die übrigen Gefangenen in ihren Zellen wach; in den weiten Corridoren hörte man ihr unheimliches Flüſtern und wie ſie ſich in Erwartung des tragiſchen Augenblicks in größter Spannung hin und her bewegten. In der Zelle des Jancovius hallte die ſonore tiefe Stimme des Predigers wider, der in gemeſſener Rede dem zweiten Mörder die Sterbeſacra⸗ mente darbot. Das ganze Gewicht dieſes gewaltigen Moments machte auf Jancovius nicht den leiſeſten Ein⸗ druck. Er blieb ruhig und gefaßt, und wer ihn nicht kannte, mußte glauben, daß er für eine edle Sache in den Tod gehe. Er erkannte lebhaft an, daß Geſchworene und Richter nach den obwaltenden Umſtänden ihre Pflicht gethan, blieb aber bei den Betheuerungen ſeiner Un⸗ ſchuld. Man ſah, mit welcher Energie er ſich auf ſeine letzte Stunde vorbereitet und wie er Alles daran ſetzte, ſeine Rolle getreu bis zu den letzten Augenblicken durch⸗ zuführen. Es war unzweifelhaft, daß hier ein Mann von beſonderen Geiſteskräften zu Grunde ging. Auch nicht den leiſeſten Makel wollte er auf ſich haften laſſen. Der Prediger ermahnte ihn und machte ihn darauf auf⸗ merkſam, daß, wenn er auch wegen der Ermordung ſei⸗ ner Frau unſchuldig ſterben ſollte, doch nun der Augen⸗ blick gekommen ſei, wo er im Hinblick auf ſein früheres Leben ſich fragen müſſe, ob er mit ruhigem Gewiſſen ſterben könne. Jancovius entgegnete, er habe nichts zu bereuen, und ſuchte ſelbſt die früheren gerichtlichen Beſtrafungen in einem andern Lichte darzuſtellen. Nach