Zeitschriftenband 
24 (1856)
Einzelbild herunterladen

440 Der Goldschmird Jancovius.

Hoffnung auf Begnadigung entzogen, und noch zeigte ſich bei ihnen keine Spur von einem Inſichgehen. Es war noch derſelbe kalte und überlegte Blick des Jan⸗ covius, mit dem er bei Beginn der Unterſuchung dem Richter entgegenſah. Ebenſo erſchien Dittmann noch immer als die brutale Natur, die das eigentliche Werk⸗ zeug zum Morde geliefert hatte.

Um 4 Uhr in der Nacht vor der Hinrichtung er⸗ ſchienen die Geiſtlichen, um den Gefangenen die letzten Tröſtungen der Religion zu reichen. Jancovius hatte gleich nachdem das Todesurtheil gegen ihn geſprochen eine längere Unterredung mit dem Seelſorger des Ge⸗ fängniſſes gehabt. In dieſer überſtrömte ſein Mund von Bibelſtellen, und der Geiſtliche, der weder die Ar⸗ ten kannte, noch der mündlichen Verhandlung mit bei⸗ gewohnt hatte, wurde faſt irre, als ihm Jancovius in ſcheinheiliger Verzweiflung geſtand,daß er ſtets ein gläubiger Chriſt geweſen, jetzt aber an des Höchſten Gerechtigkeit zweifeln müſſe, da Er einen Unſchuldigen ſo verfolge! Der Prediger verſprach ihm, ſich ſeiner Sache ſo viel als möglich anzunehmen, und als er ſich entfernte, rief ihm Jancovius noch zu:er werde auch noch das Abendmahl nehmen!

Seit jener Beſprechung war jetzt länger als ein Jahr verſtrichen, und wie lebhaft das Bedürfniß des Jancovius nach geiſtiger Speiſe geweſen, zeigt der Um⸗ ſtand, daß derſelbe ſeit jener Zeit bis auf ſein letztes Stündlein nie wieder nach dem Prediger verlangt hatte⸗ So war auch dieſes ſein vorgebliches Begehren nach dem Abendmahl nichts weiter als das Stück eines Schauſpielers, der das Publicum bis auf den letzten Mo⸗ ment über ſein Inneres zu blenden ſucht.

Dittmann empfing zuerſt das Sacrament. Der