Zeitschriftenband 
24 (1856)
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Der Goldschmied Jancovius. 443

Heiligen ähnlich, das Schaffot. Schon hatten ihn die Scharfrichterknechte ergriffen und an den Klotz gebun⸗ den und ſchon ſchwebte das Beil blinkend über ſeinem Nacken, als er noch den letzten Athemzug zur Heuchelei benutzte und der von ihm erſchlagenen Gattin ein ſen⸗ timentales:Laura, ich komme! zurief.

Bei dieſen Worten war es, als ob ſie zum Theil erſt nach der Trennung des Kopfes ertönten und die Umſtehenden konnten ſich des dadurch hervorgerufenen grauſigen Eindrucks nicht entwehren.

Wenige Minuten, in denen die Richtſtelle fortge⸗ räumt, die Leichen in den dazu bereitgehaltenen Sär⸗ gen fortgefahren wurden, und die noch eben von Blut triefende Erde hatte ihr früheres Ausſehen wie⸗ dergewonnen. Das Armeſünderglöcklein tönte hell in den trüben Herbſtmorgen von den Thürmen der Stadt und bald darauf verkündete die öffentliche Bekannt⸗ machung an allen Ecken, daß die blutigen Gebeine der unglücklichen Goldſchmiedsfrau durch das Geſetz gerächt ſeien. So das Ende dieſes Dramas. Doch nein, noch ſollte ein kurzer Epilog die Gerechtigkeit des Richter⸗ ſpruchs, ſofern dies noch nöthig, beſtätigen. In den Latrinen des Jancoviusſchen Hauſes in Guben wurde bald nach der Hinrichtung ein ganz in Blut getränk⸗ tes Vorhemdchen gefunden. Man erkannte es ſofort als ein dem Jancovius gehöriges.

Druck von F. A. Brockhaus in Leipzig.