Zeitschriftenband 
24 (1856)
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zufällt, pocht wol die Verſuchung, dieſe drückenden Ge⸗ ſetzbeſtimmungen zu hintergehn. Die Verſuchung tritt noch näher an, wenn Familien, die durch Jahrhunderte im ererbten Beſitzthum deſſelben plötzlich entriſſen werden können und Haus und Herd verlaſſen müſ⸗ ſen, wenn man Titel entdeckt hat, Urkunden und vergelbte Schriften, die mit dem nach oft Jahre, ja Jahrhunderte alten pona kide Beſitze nicht quadriren, wenn man plötzlich entdeckt hat, daß die geſetzliche Qualiſication den letzten Deſcendenten abgeht! Ja, gegen das feſteſte des irdiſchen Eigenthums, das Grundeigen⸗ thum, in dem geſetzlich feſteſten Staate der Civiliſation, finden nicht ſelten Proceſſe ſtatt, oft durch lange Jahre wie heimliche Fäulniß ſchleichend, die von Betrügern künſtlich bereitet und gefeilt werden, um mit wirklichen oder geſchmiedeten Urkunden und Rechtstiteln die gegen⸗ wärtigen Beſitzer des Grund und Bodens von Haus und Hof fortzujagen, aus glänzendem Reichthum alte Familien in Armuth zu verſetzen. Zuweilen werden dieſe Proceſſe von Rabuliſten, welche ſich in die Ge⸗ heimniſſe der Familien geſchlichen, jahrelang präparirt, es werden Helfershelfer dazu gezogen, Societäten con⸗ trahirt, gleichwie in Actien, und erſt dann, wenn man alle Vorbereitungen fertig hat, des Siegs gewiß iſt, wird erſt das Subject, die Perſon des Klägers und Vindi⸗ canten, ausgemittelt: ein Mitglied der ſeit Jahrzehnden oder Jahrhunderten verkommenen Familie, wenn es ſich thun läßt auch wol nur ein Namensverwandter, ſofern vergelbte Urkunden und Siegel zur Ausfertigung liegen, und der ſogenannte Prätendent einer ſogenannten Herr⸗ ſchaft verkam zuweilen in einen Tagelöhner gegen Lohn⸗ geld oder nur eine kleine Quote an der gehofften Beute, er Kläger, Vindicant, oder Impoſtor und Räuber. Der

Der Erbe der Annesley. 3