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wöhnlichen Glücks für einen Menſchen in ſeinen Ver⸗ hältniſſen, mit dem Schwamme weggewiſcht. Er war wieder der gemeine Raubmörder, welcher aus ſeiner ſtählernen Jacke, durch die Eiſengitter ſeines Kerkers vor 6 Jahren losgebrochen war. Von dem Momente hub die Unterſuchung wieder an, als wäre nichts da⸗ zwiſchen vorgefallen. Sein Anwalt hatte damals die Beſchwerdeſchrift gegen das erſte Urtheil eingereicht, dieſe Appellation nahm man wieder vor und erkannte darüber. Der Anwalt hatte darzuthun geſucht, daß ſein Client damals mit Unrecht der Ermordung des Caspar Funk ſchuldig erkannt und zum Tode verurtheilt worden, denn es fehle der Beweis der Identität der gefundenen Leiche mit der Perſon des verſchollenen Funk, ſo wie der, daß Funk gerade von Seidenfaden ermor⸗ det worden.
Unſere Leſer werden uns die Ausführung erlaſſen, aus welchen Gründen das Oberappellationsgericht zu Caſſel die Auffaſſung verwarf, weshalb es den Beweis der Identität des verſchollenen Funk mit der aufgefun⸗ denen Leiche für geführt, und weshalb es in Seiden⸗ faden den Mörder erkannte, obgleich er nur eingeſtan⸗ den hatte, bei der That behülflich geweſen zu ſein. Dieſe Gründe ſind uns vollſtändig mitgetheilt. Intereſſanter wäre es für uns geweſen, über das Benehmen Seiden⸗ faden's, jetzt im Gegenſatz zu ſeinem frühern Betragen vor Gericht, ob er denſelben Trotz und Starrſinn her⸗ ausgekehrt, ob er nicht jetzt eingeräumt, daß er thätiger bei der Mordthat betheiligt geweſen, als er in der Con⸗ frontation mit Möller zugab, endlich über den Menſchen Seidenfaden, ob kein Gefühl der Reue, kein Zeichen, daß er ein anderer Menſch geworden, in ihm aufgetaucht — Näheres zu erfahren. Wir finden nur juridiſche Gründe


