Jahrgang 
23 (1855)
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428 Seidenfaden.

ten und auch dieſen Böſewicht geſehen hatten, oder ſich doch einbildeten ihn geſehen zu haben; alle von Haß gegen ihn erfüllt. Die Stimmung der Angekommenen theilte ſich aufs neue der Garniſon mit, und der Com⸗ mandeur des Regiments, der Seidenfaden inzwiſchen nach einem der Forts geſchickt, um ihn den Augen zu entziehen, mußte ihn wieder nach Paramaribo kommen laſſen und vor einen Kriegsrath ſtellen.

Hier ward er mit dem Matroſen Null und deſſen Schwager Kinne confrontirt. Es iſt ſehr wahrſchein⸗ lich, daß Beide ihn nie geſehen hatten, aber in ſteigern⸗ der Wuth gegen ihn ſich einbildeten ihn früher geſehen zu haben, ſie erklärten vor dem Gerichte feierlich und beſchworen es: daß der Sergeant nicht Wilhelm Wig⸗ gers aus Lübeck ſei, ſondern der ehemalige Schuhmacher Seidenfaden aus Obernkirchen. Ja, ſie beſchworen dreiſt, er habe nicht weniger als 7 Mordthaten in der Heimat begangen und ſei der Hauptmann einer Bande von 300 Mann geweſen. Kinne beſchwor ſogar, es ſei die⸗ ſer Mann, der ſeine, Kinne's, Schweſter umgebracht.

Der Sergeant ſtellte nach wie vor Alles in Abrede, aber vor dem Eide zweier unbeſcholtener Zeugen, und der Stimmung unter ihren Soldaten, mußten die com⸗ mandirenden Officiere ſich beugen. Er wurde in gelin⸗ den Militärarreſt geſetzt. Hier hätte er öfter Gelegen⸗ heit gehabt zu entfliehen. Er benutzte ſie nicht, weil er der Hoffnung war, daß man, auch im ſchlimmſten Falle, ihn doch nicht ausliefern würde.

Wir müſſen, aber nach einer andern Mittheilung eines Zeitgenoſſen, welcher ſich der Umſtände des Pro⸗ ceſſes erinnert, hier einſchalten, daß Seidenfaden's Herz endlich doch, und ſchon damals in Paramaribo, erweicht worden und er alles eingeſtanden habe. Als nämlich

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