Jahrgang 
23 (1855)
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Seidenfaden. 419

Möller halte. Auch ging das Gerücht, daß er ſeine Mutter oft geprügelt und ſeine Frau ſchlecht behandelt habe. Wegen ſeiner Neigung zu Gewaltthätigkeiten war er ein gefürchteter Menſch.

Die Anwalte beider zum Tode Verurtheilten legten Appellation ein. Der Möller's beſtritt ſogar den That⸗ beſtand der Tödtung, da er weder durch die Gerichts⸗ ärzte, noch durch die Bekenntniſſe der Angeklagten ge⸗ nügend feſtgeſtellt ſei; ferner, daß ſein Client, der er⸗ weislich nur Beihülfe zugeſtanden, um deswillen nicht zum Tode verurtheilt werden könne.

Das Appellationsgericht beſtätigte am 9. September 1830 lediglich, was Möller anlangt, den Spruch des Obergerichts. Das der Appellation verbundene Geſuch der Fürbitte um Gnade ward wegen der Tücke und Ro⸗ heit, mit welcher das Verbrechen begangen war, zurück⸗ gewieſen. Möller's beſonders eingereichtes Gnadengeſuch ward vom Kurfürſten verworfen und das erſte Urtheil am 15. Januar 1831 zu Rinteln an dem Verbrecher vollſtreckt.

Gegen Möller allein, weil es gegen Seidenfaden nicht vollſtreckt werden konnte. Er war entflohen.

Seidenfaden, ein junger Mann von gewaltiger kör⸗ perlicher Kraft, hatte ſich ſchon ſelbſt geholfen. Es war nicht das erſte Mal, daß er den Verſuch gemacht. Es heißt, daß er ſchon in der erſten Nacht ſich angeſtrengt aus ſeiner Gefängnißzelle zu brechen, daß er dabei große Kühnheit entwickelt und nur durch die Wachſamkeit und Energie des Gefangenwärters am Entfliehen ver⸗ hindert worden. Zur Strafe, und um ähnliche Ver⸗ ſuche zu verhüten, ließ ihm das Gericht die Zwangsjacke