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anlegen. Bei dieſer Operation ergab ſich der merkwür⸗ dige Umſtand, daß Seidenfaden nicht wie die Mehrzahl der Menſchen gebaut war. Der ganze muskulöſe Oberkör⸗ per, beſonders der kurze, dicke Hals, die überaus brei⸗ ten Schultern und die ſehr ſtark gewölbte Bruſt waren ſo abnorm, daß die eiſerne Zwangsjacke kaum aufge⸗ preßt werden konnte. Die Bruſtmuskeln erhoben ſich beim Athemholen zollhoch über die eiſernen Querbügel, was für den Gefangenen einen mehr als qualvollen Zu⸗ ſtand herbeiführte. Nach der erſten unter Aechzen und Stöhnen verbrachten Nacht erbat ſich Seidenfaden die Unterſuchung einer Commiſſion von Sachverſtändigen. Dieſe beſeitigte denn auch für einen Tag den eiſernen Panzer und verfügte eine andere Zwangsvorrichtung. Wie dieſe nun beſchaffen geweſen ſei, und ob ſie durch die ganzen Jahre ſeiner Haft ihm angelegt blieb oder nicht, wir erfahren nur ſo viel, daß er in der Nacht vom 13. auf den 14. April 1830 alle ſeine Feſſeln ſprengte, die vor dem Fenſter ſeiner Gefängnißzelle zu Rinteln befindlichen Eiſenſtäbe durchbrach und entfloh. Damit verzichtete er auf Appellation und Begnadigung.
Aus ſeinem ſpätern Geſtändniß erfahren wir, daß es ihm ohne alle Beihülfe von außen gelungen war. Alle Nachforſchungen, Steckbriefe und ſonſtigen Be⸗ mühungen, des ungewöhnlichen, gefährlichen Verbre⸗ chers wieder habhaft zu werden, waren vergebens. Nicht die geringſte Spur ließ ſich entdecken, nicht die geringſte Nochricht von ſeinem Daſein gelangte an die Behörden, ſo daß man ſich dem Glauben hingeben konnte, er ſei auf dieſelbe Weiſe, wie Caspar Funk, durch die freund⸗ liche meuchelmörderiſche Fürſorge ſeiner Spießgeſellen von dem Erdboden verſchwunden.


