Jahrgang 
23 (1855)
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Der Connetable Don Alvaro de Luna. 5

Städte entrungen, in ſeiner eigenen Hand. Letzteres war kein Verbrechen, da ſie in die Hände des Königs ſelbſt zurückzugeben, ſo viel geheißen hätte, als das mit ſolcher Anſtrengung Errungene und Geſammelte wieder zum Fenſter hinauswerfen. Auch liegt nicht der Schein einer Abſicht vor, als Majordomus, gleich denen der Merovinger, endlich die Krone ſelbſt auf ſein Haupt glei⸗ ten zu laſſen, da er allzeit und bis in den Tod als lo⸗ valer Ritter ſich gezeigt, und er wol ſeine Familie und Vaſallenſchaft bereicherte und ein Schloß, Gut, eine Herrſchaft, eine Stadt nach der andern ſich zulegte, aber nie damit den Verdacht erregte, als beabſichtige er eine neue Dynaſtie im Königreich zu gründen. Aber dieſe Art, wie er Schlöſſer, Güter, Städte häufte, Straf⸗ und Löſegelder für ſeinen Schatz erpreßte, alte Gerecht⸗ ſame umwarf, gefeierte Perſonen gering achtete, der Ue⸗ bermuth des Stolzes mit der grauſamen Härte des er⸗ bitterten Siegers mußte die Zahl ſeiner Gegner, Nei⸗ der, Feinde mit jedem Tage vermehren, und ſchon vor dem Ende ſeiner Laufbahn waren nicht allein der mäch⸗ tige und ein Theil des geringen Adels, ſondern auch die Corporationen in den Städten, der Geiſtlichkeit, kurz, wenn man es damals ſo nennen konnte, auch eine Volks⸗ partei ſeine geſchworenen Feinde. Das Volk war nicht Volk, es waren Theile der mächtigen Parteien, die, vor ſich mit einer Spitze, bis an den Thron reichten, hinter ſich mit ihrem Schweif bis in die unterſten Schichten der Bevölkerung. Ein Volk, oder eine Volkspartei, welche ohne Parteirückſichten das Gute erkannt und ge⸗ würdigt hätte, das Alvaro für den Geſammtſtaat ge⸗ wirkt, gab es noch nicht.

Bei Hofe war ſein Anſehen längſt untergraben. Die Höflinge, aus ſeinen Creaturen beſtellt, waren großen⸗