6 Der Connetable Don Alvaro de Luna.
theils zur Gegenpartei übergegangen, weil er in ſeinem Stolz es nicht für nöthig erachtete, ſie zu ſtreicheln. Sie wurden nur durch die Furcht vor dem Gewaltigen ge⸗ bunden. Die Neigung des Königs ſelbſt für den Mann, dem er ſein Alles verdankte, war begreiflicherweiſe in dem peinlichen Gefühl nur von ihm gehalten und von ihm beherrſcht zu werden, untergegangen. Alvaro hatte ihn verheirathet und Grund und Recht zu glauben, daß er in der Königin, Iſabelle, einer Prinzeſſin von Portugal, eine Freundin und Stütze für ſich am Hofe gewonnen, aber es ſchlug gerade zum Gegentheil aus. Iſabelle ward ſeine Feindin, und wenn ſie gleich nicht an der Spitze der Coalition ſtand, welche ſich gegen ihn zuſam⸗ mengethan, ſo begünſtigte und belebte ſie doch den Bund, der auf ſeinen Untergang ſann.
So hielt ſich Alvaro in den letzten Jahren ſeiner Herrſchaft, d. i. um die Mitte des 15. Jahrhunderts, eigentlich nur durch ſeine eigene Schwerkraft. Doch ſchien um ihn her Friede und Ruhe. Von den Großen waren die Einen entflohen oder ihres Grundbeſitzes beraubt, die Andern lebten zurückgezogen auf ihren Schlöſſern; alle aber unter der Zuchtruhe des mächtigen Willens. Wenn wo eine Fehde oder kleine Unruhe auftauchte, war Alvaro ſofort zur Stelle, um den Brand zu löſchen. Er war ſchon über ſechszig Jahr, als er bei der Belagerung und Eroberung mehrer Städte für ſeinen König ein Geſchick und einen Muth zeigte, der an die glänzendſten Zeiten ſeiner kriegeriſchen Jugend erinnerte. Daneben glänzte er in männlicher Schönheit und gefälliger An⸗ muth bei den Feſten, Spielen, Banketten und Jagden, die er auf ſeinen Gütern dem Könige veranſtaltete, und eine Pracht dabei und einen kühnen Geſchmack entwickelte, immer ſo anpaſſend der Gelegenheit, als ſein Aug und
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