Jahrgang 
23 (1855)
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4 Der Connetable Don Alvaro de Lund.

Sucht nach Erwerb von Gütern, die keine Grenzen kannten. Ganz ſchamlos handelte er, wo es galt Schätze häufen. Sein Stolz war nicht zu bändigen, ſein Ue⸗ bermuth trieb ihn bis zur Grauſamkeit, wodurch er ſich die Gemüther entfremdete.

Quintana glaubt über ihn das Urtheil ausſprechen zu können: Verglichen mit Allen, die ihm in den Weg traten, war und blieb Alvaro unzweifelhaft der größte. Die ausſchließliche Gunſt, die er bei ſeinem Könige ge⸗ noſſen, war der verdiente Lohn für ſeine außerordent⸗ lichen Dienſte. Sein Ehrgeiz und ſeine Machtſtellung laſſen ſich entſchuldigen durch ſeine Befähigung und ſeine Talente. Stellt man auf die eine Seite dieſen Ehrgeiz und dieſe Machtüberhebung, und auf die andere den Zweck, auf welchen der Connetable hinarbeitete: wie er durch ſeine Siege und Unterhandlungen das Reich ver⸗ größerte, die Geſetze beſſerte, Fortſchritte in der Civili⸗ ſation und den Sitten begünſtigte, und wie er durch ſeine Einrichtungen und Satzungen auch für die künf⸗ tige Ruhe und das Gedeihen des Staats wirkte, ſo dürfte das Urtheil nicht zu hart über ihn ausfallen, denn die Nachkommenſchaft kann auf keine andere Weiſe über öffentliche Charaktere urtheilen; das Gute oder das Böſe, was ſie den Nationen zufügten, auf die ſie einen herrſchenden Einfluß hatten, ſind die Norm allein, nach der man ſie preiſt oder verdammt.

Alvaro de Luna brach zu Gunſten der königlichen Macht und der Staatseinheit die Feudalariſtokratie, deren Herrſchaft in Caſtilien ſo unerträglich für das Gemeinwohl war, als irgendwo; aber er that es ohne Schonung und ohne dabei nur und allein an den Staat zu denken. Er behielt die Macht, welche er für die Krone aus den Händen des Adels, der Stände und