X Vorwort.
weiſen keine verfolgbare Spur dahin auf, daß Bruder Leotade nur das halb freiwillige Opfer für andere höher Geſtellte in ſeiner Congregation geweſen wäre. Ob man in Frankreich ſeitdem an⸗ dere Ermittelungen kennt, ſolche, die nicht zu den Acten gekommen ſind, und nie kommen werden und dürfen, wie wol bei andern berühmten Criminalfällen, iſt uns nicht bekannt. Spielt doch der große, im Hintergrund ruhende Proceß noch immer fort.
Der Stoff des Nürnberger Eriminalfalls: Der Schneider vom Gibitzenhof, iſt uns von dem baieriſchen Polizeibeamten, Herrn Rang, mitgetheilt. Factiſch iſt hier alles klar, pſychologiſch wird uns dagegen ein Räthſel aufgegeben, das, wenn es auch keines Oedipus bedarf, doch von nicht geringem Intereſſe iſt.
Die actenmäßige Darſtellung des Specht'⸗ ſchen Mordfalls verdanken wir dem Herrn Kreis⸗ gerichtsrath v. Peſtel in Dortmund. Es iſt die erſte durch den Druck bekannt gemachte, vollſtän⸗ dige Erzählung der Thatſachen eines Verbrechens, von dem der Verfaſſer mit Recht ſagt, daß es in der Art noch in keinem Lande vorgekommen ſei. In der Erzählung wird der Leſer einer unſich⸗ tigen und beſonnen abwägenden Relation, welche Geſchworene und Richter in den Stand ſetzt, ihren Wahrſpruch zu finden, begegnen. Wenn uns dadurch nur Streifblicke und Vermuthungen in die innere
ſu ſch
he
032


