Jahrgang 
21 (1854)
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450 Ein Raubmord in Kurhessen.

traten; als ſie die Höhe in demſelben erreichten, ward es ganz finſter. Plötzlich ſchlug Müller von hinten mit dem Stock auf den Unglücklichen, daß er ſofort zur Erde ſtürzte. Roßbach wirft im ſelben Augenblick den ſchwe⸗ ren Ranzen auf die Erde und fällt gleichfalls auf ihn⸗ Es beginnt ein mörderiſcher Kampf, der uns nicht näher beſchrieben wird, wofür aber die blutigen Knittel, die umherliegenden Steine, die Verwüſtung an der Mord⸗ ſtelle Zeuge ſind. Hau muß ſich alſo, wieder zu ſich gekommen, eine Weile verzweifelt gewehrt haben. End⸗ lich, ſchwach geworden, bittet er die Mörder nur um ſein Leben, er wolle ihnen Alles, was er habe, geben, er betheuert, er will die That verſchweigen. In Müller's Herzen regt ſich noch ein Funken von menſchlichem Ge⸗ fühl, er läßt den zermalmenden Knittel ſinken. Da ſchreit ihn Roßbach an:Willſt du wol zuſchlagen! Soll ich's allein gethan haben? Als Müller noch immer athem⸗ los ſtill ſteht und Roßbach zu ſehen und zu hören glaubt, daß in Hau noch Leben iſt, fährt er dringend fort:So ſchlag ihn doch nieder. Müller erwidert dumpf: Waos ſoll ich noch ſchlagen! Du haſt ihn ja ſchon todtgeſchlagen.

Das Opfer war allerdings ſchon gefallen; jeder neue Schlag war umſonſt. Roßbach ſchleppte die Leiche ins Dickicht. Aber die Angſt vor ihrer That überkam die Mörder, ſie ſchüttelte ſie fieberhaft mitten in ihrer Gier nach der ſchwer errungenen Beute. In der Haſt, mit der ſie raubten, durchſuchten ſie nicht einmal die Taſchen, ſie begnügten ſich mit dem Ranzen, welcher den Schatz enthielt, nach dem ſie getrachtet, und riſſen nur die gol⸗ dene Uhr aus den Hoſen. Keuchend unter dem Fell⸗ eiſen eilten ſie, ſo ſchnell die Laſt, die Angſt, die Er⸗ ſchöpfung es erlaubten, vom Mordplatze fort nach Mel⸗