Jahrgang 
21 (1854)
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446 Ein Raubmord in Kurhessen.

Die Schweſterliebe machte die Kothe zu einer ge⸗ ſchickten Inquiſitorin. Sie fragt, in welches Wirths⸗ haus ſich die beiden Geſellen begeben hätten, um ihre Zeche zu bezahlen? Die Wirthöſchweſter erin⸗ nert ſich: es war bei Ziller in der Unterneuſtadt. Die Kothe geht dahin und man entſinnt ſich auch dort bald und genau des Tages und der Umſtände: Am 2. Moi waren daſelbſt eingekehrt Jakob Roßbach aus Sterbe⸗ fritz und George Müller aus Schwarzenfels, beide zu Grunde gegangene Handelsleute. Sie waren mit einem jungen Kaufmann am Morgen in das Haus ge⸗ kommen(nachdem ſie wahrſcheinlich ſchon in der Nacht dort logirt), hatten einen Schnaps gefodert und ihre Zeche bezahlt. Alsdann wären ſie, nachdem ſie zuvor eine Stunde lang im obern Zimmer miteinander geredet, zugleich mit dem fremden Handelsmann auf dem Wege nach Melſungen fortgegangen.

Die Jungfer Kothe war durchaus praktiſch. Sie läßt ſich das Fremdenbuch des Wirths Ziller vorlegen, und nachdem ſie ſich dort über die Angaben der Wirths⸗ ſchweſter vergewiſſert, macht ſie auf der Stelle davon Anzeige beim Criminalrichter Hausmann in Kaſſel. Drin⸗ gendſt trug ſie darauf an, daß derſelbe ein Regquiſito⸗ rium an das Juſtizamt in Schwarzenfels erlaſſe, um über die genannten Einwohner Roßbach und Müller, deren gegenwärtige und frühere Verhältniſſe, Nach⸗ richten einzuziehen, da doch ein dringender Verdacht vor⸗ liege, daß jene Perſonen in den bekannten, bis jetzt dun⸗ kel gebliebenen Mordanfall verwickelt ſeien. Der Crimi⸗ nalrichter ging auf den Antrag ein.

Die Kothe muß in Kaſſel ſich eine andere Wohnung geſucht und andern Geſchäften nachgegangen ſein, wir hören nur, daß ſie einige Tage ſpäter von der Schwe⸗

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