Jahrgang 
21 (1854)
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Ein Raubmord in Kurhessen. 445

auch ſchön, er hätte ſie in Hamburg für ſeine Frau ge⸗ kauft und wolle ihr damit eine Freude machen.

Wie die beiden Geſellen dann ſich vorauf aus der Gaſtſtube fortbegeben, um in ihrem Wirthshauſe die Zeche zu bezahlen, da hätte ein anweſender kaſſeler Bür⸗ ger geſagt:Die Beiden ſcheinen mir auch nicht die rech⸗ ten; mit ihnen machte ich keine Reiſe bei Nachtzeit durch den Wald!

Wie ihr nachher nun das grausliche Gerücht zu Ohren gekommen, daß in jener Zeit im Walde bei Haina ein reiſender Kaufmann erſchlagen und grauſam ermordet worden durch unbekannte Menſchen, habe ſie doch gleich gedacht, das könne wol der Hau geweſen ſein.

Hier hätte alſo die Juſtiz die Spur des Ermordeten

und zugleich eine, die auf die Mörder leitete, gefunden

gehabt, wenn es der Schweſter des Wirths Heerwagen früher eingefallen wäre, an alles Dieſes zu denken, was ihr jetzt plötzlich mit ſo außerordentlicher Lebhaftigkeit vor Augen trat. In vielen Criminalfällen trifft es ſich aber, daß der Moment, der Zufall, ein Fußtritt erſt den loſen Stein fortſtößt, hinter welchem der hellſte Quell vorſprudelt, während vorhin hundert Arme im Stein⸗ gerölle auch die feſtliegendſten Blöcke umſonſt verrückt haben. Ubrigens wird es uns ſchwer anzunehmen, daß die Perſon des Ermordeten nicht ſchon damals er⸗ mittelt ſein ſollte. Hau mußte doch von den Seinen vermißt ſein, und die wenn auch zerſchmetterte Geſtalt, die Kleidungsſtücke und die bei der Leiche gefundenen Geldſtücke hätten eine Identität zwiſchen derſelben und dem Verſchwundenen ergeben müſſen. Aus den ſpäter fol genden Angaben müſſen wir indeſſen ſchließen, daß es nicht der Fall geweſen. Die Zeitungsnachrichten drangen vor 40 Jahren noch nicht wie heute bis in die Winkel der Cultur.