444 Ein Raubmord in Kurhessen.
möchte er die Koſten für den Boten ſparen und ihn wieder abbeſtellen. Anfänglich mochte er noch nicht Luſt dazu zeigen, aber ſie machten ihn ganz zutraulich. Er war von unbefangener und argloſer Art, und ſie nah⸗ men ihn, was man ſo nennt, ganz in Beſchlag, was Vielen ſchon damals aufgefallen wäre. Sie aßen und tranken mit ihm, als wären ſie alte Bekannte oder ſei⸗ nes Gleichen, und fragten ihn nach ſeiner Herkunft und ſeinen Geſchäften aus, worauf er ihnen auch treuherzig Alles erzählte. Die Wirthsſchweſter erinnerte ſich des Folgenden: er heiße Hau, ſei aus dem Fuldaiſchen ge⸗ bürtig und heute mit der Poſt von Hamburg gekommen. Er reiſe jedes Jahr nach Hamburg, um das Geld für ſeine dahin geſandten Leinenſtücke einzukaſſiren. Dieſes Jahr wäre ein beſonders glückliches für ihn geweſen, und er eile daher ſehr vergnügt nach Hauſe, um ſeiner jun⸗ gen Frau den glücklichen Erfolg dieſer ſeiner letzten Reiſe zu melden.
Im Verfolg der lebhaften Erzählung und lebhaften Theilnahme entſann ſich die gute Wirthsſchweſter immer mehrer Umſtände.— Ja, der Hau hatte darauf den Bo⸗ ten abbeſtellt und zu den Beiden geſagt, wenn ſie ihm denn ſeinen Ranzen tragen helfen wollten, ſo wolle er ſie unterwegs mit Eſſen und Trinken frei halten. Und da hatte der größere von Beiden gerufen:„Nun, da wollen wir denn als Brüder die Reiſe antreten!“ Hau aber ging nicht ſogleich mit ihnen fort, er hatte noch etwas zu verrichten und ließ ſich in eins der obern Zim⸗ mer Waſchwaſſer bringen. Sie, die Wirthsſchweſter, hatte es ihm ſelbſt hinaufgetragen, und als ſie da war, hatte er ſeine goldene Uhr auf den Tiſch gelegt, die ſo ſchön und eigenthümlich war, daß ſie dieſelbe angeſehen und bewundert. Und Hau hatte ihr geſagt, die Uhr ſei


