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Ein Raubmord in Kurhessen. 443
der eben Angekommenen auch vollſtändig und ganz in ihrer Art zu erzählen, als ihr plötzlich etwas einfällt, was ſich in ihrem eigenen Hauſe ereignet hat. Sie hat ſchon früher daran gedacht, daß es einen Zuſammenhang damit habe, in dieſem Augenblicke aber wird es ihr erſt recht klar:
Am 2. Mai früh Morgens war ein noch junger, wohlgebildeter Mann, ein Leinenhändler aus Boppen⸗ hauſen im Fuldaſchen, von Hamburg kommend, in ihrem Gaſthauſe eingekehrt. Er hatte einen ſchweren Ranzen bei ſich und verlangte einen ſichern Boten nach dem Dorfe Haina, im Amte Spangenberg, der ihm den Ranzen tragen ſolle. Der Fremde hatte ein ſehr freund⸗ liches und einnehmendes Außere und zeigte viel Geld, was Wunder alſo, daß die im Zimmer anweſenden Gäſte ſich beeilten, ihm mit Rath und That behülflich zu ſein. Es war bereits nach einem Boten geſchickt, als zwei dem Wirthe unbekannte, junge Männer, die entweder ſchon früher im Zimmer geweſen, oder jetzt erſt eintraten, ohne weiteres neben dem wohlgekleideten Kaufmann Platz nahmen und auf das eifrigſte ſich in ein Geſpräch mit ihm einließen. Die Erzählerin wußte jetzt, daß die drei⸗ ſten Burſchen ihr damals gar nicht gefallen hatten; ihr Betragen erſchien ihr frech. Sie erinnerte ſich, daß ſie den Reiſeſack des Fremden mit ſehr bedeutenden Blicken gemeſſen, auch hob der Eine ihn auf und ſchätzte aufs Ungefähr ſeine Schwere und ſein Gewicht. Nach weni⸗ gem Hin⸗ und Herreden erklärten ſie, daß auch ihr Weg nach Haina ginge, wo ſie ſehr wohl bekannt ſeien; ſie freuten ſich, daß ſie dahin ſo gute Geſellſchaft fän⸗ den, und erklärten ihm, um den Boten möge er ſich keine Sorge machen, denn ihre Schultern wären ſtark genug und ſie wollten den Ranzen umſchichtig tragen. Darum


