Jahrgang 
21 (1854)
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Ein Raubmord in Kurhessen. 439

Jakob Gräbe, zu einem Hutmacher in der benachbar⸗ ten Stadt Melſungen mit einem ganz guten, faſt neuen Hut, den er demſelben zum Auffärben übergibt. Der Hutmacher entdeckte, als Gräbe das Haus wieder ver⸗ laſſen, in dem Hute Blutſpuren. Dies veranlaßte ihn, ſeinem Juſtizbeamten davon Anzeige zu machen. Dieſer theilt die Nachricht ſeinem Collegen in Spangenberg mit, da, wie wir ſahen, Haina zu deſſen Amtsbezirk gehörte und der Letztere fand ſich veranlaßt, den Gräbe ſofort darauf zu verhaften. Denn Gräbe, ein Mann von 50 Jahren, war ohne Vermögen und ſein Ruf nicht der beſte. Im Verhör, wo er über die Erwerbung des Hutes ausſagen ſoll, verwickelt er ſich in vielfache Widerſprüche, ja in offenbare Unwahrheiten. Seine Angſt und Be⸗

ſtürzung befeſtigen den Amtmann immer mehr im Glau⸗

ben, daß er den Mörder ſelbſt, oder doch einen Theil⸗ haber an dem Verbrechen vor ſich habe. Der betreffende Hut wird aber unzweifelhaft für ihn zu einem Theile des corpus delieti, zum Eigenthum des Erſchlagenen, da bei der Leiche, der man ſonſt die Kleidungsſtücke nicht abgeriſſen hatte, ſich weder ein Hut noch ſonſt eine Kopfbedeckung vorgefunden.

Gräbe ward ins Amtsgefängniß gebracht und dem Gefangenwärter und den beiden Landbereitern, auch allen Unterbedienten des Amts die ſtrengſte Beaufſichtigung und Beobachtung deſſelben aufgetragen. Von jedem Vor⸗ fall, jeder Außerung des Verhafteten ſollten ſie ſofort Anzeige machen. Gräbe, arm, verrufen in der Gegend, hatte keinen einzigen Freund, und es herrſchte nur eine Stimme, daß er der Mörder des Erſchlagenen ſei, was den Amtmann in ſeinem raſchen Verfahren und ſeiner immer feſtern überzeugung nur bekräftigen konnte.

Der Gefangene aber ward, nachdem er den erſten