438 Ein Raubmord in Kurhessen.
noch vieles baare Geld, nämlich über 200 Gulden in Gold und in hamburger Silbermünze!
Der Körper ward ſofort nach dem Dorfe Haina ge⸗ bracht und die geſetzliche Leichenöffnung in der dortigen Pfarrſcheune vorgenommen. Sie lieferte das Reſultat, was der erſte Augenſchein ergab. Der Tod des Unbe⸗ kannten war durch eine gewaltſame Zerſchmetterung des Kopfes und harte Schläge auf Bruſt, Schulter und Unterleib erfolgt.
Die Perſon des Ermordeten war und blieb längere Zeit gänzlich unbekannt. Niemand aus der Umgegend entſann ſich, einen Fremden, deſſen Erſtheinung der Ge⸗ ſtalt des Ermordeten entſprach, in den letzten Tagen bemerkt zu haben. Nur aus den erkennbaren Reſten des Opfers muthmaßte man, daß es ein fremder Kauf⸗ mann, und daß es ein noch junger Mann von etwa 30 Jahren geweſen ſei.
Der Amtmann glaubte, nach den friſchen Blutſpuren und andern Umſtänden, annehmen zu müſſen, daß die Mordthat erſt am vorangehenden Tage begangen ſein könne; es fehlte aber, trotz aller Nachforſchungen, jede Spur, die auf einen Thäter leiten konnte. Keine aus⸗ gerauften fremden Haare, kein abgeriſſenes Kleidungs⸗ ſtück, ſelbſt kein Verdacht gegen einen Ortsangehörigen oder Vagabunden.
Trotz jenes auffälligen Umſtandes, daß man dem Ge⸗ tödteten ſein baares Geld gelaſſen, ging man von der Vermuthung nicht ab, daß hier ein Raubmord vorliege. Allen Amtsuntergebenen und den Ortsvorſtänden der nahe gelegenen Gemeinden ward die thätigſte Nachfor⸗ ſchung aufgetragen.
Sie blieb drei Tage lang erfolglos. Am dritten Tage kam ein Einwohner von Haina,


