4 Helene Jegado.
folgerin, Frangoiſe Huriaux, ward ſehr bald von demſelben Leiden befallen und erſt, als ſie das Haus verlaſſen, fing ſie zu geneſen an. Aber Roſalie Sar⸗ razin, die ihr im Dienſte folgt erkrankte unter den⸗ ſelben Symptomen aufs heftig und ſtarb, wie Roſe Teſſier, am 1. Juli 1851. Sie war vergiftet.
Mit dieſem letzten Todesfalle wuchs der Verdacht gegen ein als Köchin in demſelben Hauſe ſeit dem Oe⸗ tober des vorigen Jahres aufgenommenes Mädchen, Na⸗ mens Helene Jegado, zu der Höhe, daß man zu ihrer Verhaftnahme ſchritt. Es geſchah am nämlichen Tage, wo Roſalie geſtorben war.
Kaum aber daß die Juſtiz Hand an ſie gelegt, ſchien ein Zauber gelöſt. Sie war freigegeben der Bezichti⸗ gung und Anklage, und von allen Seiten ſtürmten Be⸗ zichtigungen gegen ſie ein, daß man jetzt nicht begriff, warum die Gerechtigkeit und Polizei nicht früher Hand an ſie gelegt. Das ämſige, tüchtige, fromme Mädchen, von deſſen Munde nur religiöſe Tröſtungen floſſen, das die Kranken und Leidenden mit der größten Aufopfe⸗ rung und Selbſtverleugnung pflegte, war eine Gift⸗ miſcherin der ärgſten Art; wo ſie in ein Haus, in einen Dienſt getreten, erkrankten bald die Einwohner, Männer und Frauen, Kinder und Erwachſene, Herren und Dienſt⸗ leute, ſelbſt ihre eigenen Verwandten, und wenn eine Leiche der andern folgte, war Helene es immer geweſen, die vorausgeſagt: daß die arme Kranke es nicht lange machen werde. Noch mehr: ſie hatte ſich ſelbſt bezich⸗ tigt: wo ſie eintrete, da folge der Tod nach!— Sie war eine Giftmiſcherin und nebenher eine gemeine Diebin. Ja die fromme, kluge, ſittſame Helene ward zur heim⸗ lichen Säuferin, die unter der Hand nicht nur Flaſchen und Krüge, ſondern ganze Weinkeller ausgeſoffen hatte.


