402 Der nürnberger Kassendiebstahl.
Gehalte entſprechend zu ſchildern?!— Doch zurück zu Kirchmeier, zurück zu Göſſer, ſeinem Weibe, ſeinem Geſellen.“
In der angedeuteten Richtung bewegte ſich das Ver⸗ fahren gegen den Barbier Kirchmeier fort; man recher⸗ chirte nach ſeinem frühern Lebenswandel und erfuhr, daß er zwar ein geiziger, aber, wie meiſtens dergleichen Leute, ein conſequent und nach Grundſätzen handelnder Mann ſei;„er fand ſich“, nach Bericht des Beichtigers, welcher damals vorzugsweiſe die vita ante acta eines Inquiſiten zu conſtatiren hatte,„alljährig ordentlich bei Beichte und Abendmahl ein“, und war dem Bericht⸗ erſtatter nichts bekannt,„was ihn hindern ſollte, ihm ein gutes Zeugniß über ſeine Denkungs⸗ und Hand⸗ lungsart zu ertheilen, wie er denn in Anſehung ſeines Lebenswandels ihm weder Unordentlichkeit noch irgend eine Ausſchweifung nachſagen— wol gegenſeitige Ein⸗ gezogenheit, chriſtordentliches Verhalten und fleißige und pünktliche Abwartung ſeines Berufs nachrühmen konnte“, dagegen als Grundzüge ſeines Charakters:„geſetztes Weſen, männlichen Ernſt und ein eifriges Beſtreben nach Ehre und einem guten Namen, überlegung und, wie ſchon angezogen, eine afaſt dem Geize nähernde Sparſamkeit“ bezeichnete.“
Aus dem Berichte des Arztes, welcher Kirchmeier in dem erwähnten Fieber behandelt hatte, entnehmen wir ferner,„daß der Barbier atrabilariſchen Tempera⸗ ments, heftigen, widrigen und hartnäckigen Charakters ſei, vermöge deſſen er zu ſtärkern Einbildungen geneigter als andere Menſchen“ und bemerkt die Relation hierbei weiter,„daß das hitzige Gallenfieber, an welchem der Kirchmeier daniedergelegen, cauch bei andern Perſonen ihren Verſtand oder ihre Beurthei⸗
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