400 Der nürnberger Kassendiebstahl.
dergleichen geweſen, was es geweſen(in Nürnberg ver⸗ breitete ſich damals die Sage, es ſei eine in hellen Far⸗ ben gedruckte über ein Käſtlein hingeworfene Schürze der Mannert'ſchen Ehefrau geweſen)— der Herz und Nieren prüft, weiß es allein!— Der Barbier ſieht es; es flirrt ihm vor den Augen; das iſt es ja, was er haben wollte, das iſt ja die Kaſſe, die er im Sinne ge⸗ habt; hier ſie, dort der Dieb, ein zwar bis jetzt an⸗ ſcheinend ehrlicher Mann; aber— der Schein trügt nur zu oft— das Bild iſt fertig*), iſt hinausgetreten ins Leben, ſich mit ihm vereinend, ſelbſt Leben erhaltend und in grauſenerregender Stärke ſeine Thätigkeitsäußerungen mit dem Ruin einer Familie beginnend!— Wie ſolch ein Bild in Kirchmeier's Seele entſtehen konnte, wie es ſich mit ſolcher Feſtigkeit in ihm zu halten vermochte — Das iſt unaufgeklärt damals geblieben und iſt es auch heute noch. Pſychologiſche Hypotheſen und Prä⸗ ſumtionen laſſeneimmer noch Zweifel übrig.“
Es galt nun einen Beweis dafür herzuſtellen, daß Kirchmeier zwar falſch geſchworen, aber nicht vorſätzlich einen Meineid geleiſtet. Behufs deſſen wurde vorerſt das Gutachten mehrer Rechtsverſtändigen eingeholt, welche
*) Uns ſchiene die Erklärung einfacher: daß der Barbier nicht auf die Suche nach einer ſo oder ſo ausſehenden Kaſſe ausge⸗ gangen, ſondern daß, als er von der geſtohlenen erfuhr, ihm der Gedanke zu Kopfe ſtieg, daß er irgendwo eine derartige Kaſſe ja ſchon geſehen haben müſſe. Indem er dann weiter nachſann, ver⸗ fiel er in das Grübeln und Phantaſiren, welches der Verfaſſer ſchildert, und mit dem man am Ende Alles finden und ſehen kann, was man will. Wer erinnert ſich nicht, wenn er von einer merkwürdigen Erſcheinung hört, daß ihm etwas Ahnliches einmal begegnet iſt, und war es auch nichts weniger als das, die leb— hafte Einbildungskraft hat endlich die Ahnlichkeit gefunden.


