Jahrgang 
22 (1854)
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Der nürnberger Kassendiebstahl. 397 kelgrün angeſtrichenen Fuße, welcher eine gelbe Einfaſſung gehabt, neben dem HOfen an der Thüre vor einem gelbangeſtrichenen Hängetiſch⸗ lein geſehen und erſt beſchriebenermaßen genau wahrgenommen habe. Unerklärlich ſei es ihm und könne er ſich nicht vorſtellen, daß ihn Gott ſo habe ſollen ſinken laſſen, da er niemalen an ſeinen Verſtan⸗ deskräften einen Mangel verſpürt, daß er bei dieſer Ge⸗ legenheit durch ſeine Sinne getäuſcht und betrogen wor⸗ den ſei.

Vergebens hielt man ihm wiederholt die Bekennt⸗ niſſe Göſſer's und ſeiner Mitſchuldigen vor; vergebens zeigte man ihm die in der Pegnitz aufgefundenen Kaſſe⸗ trümmern; vergebens eröffnete man ihm die Ausſagen Derer, welche Göſſer als die Kaufer der nicht in den Fluß geworfenen Rudera des corpus delicti benannt hatte Kirchmeier blieb bei obigen Angaben ſtehen und ob ſie wirklich ſeine Uberzeugung geweſen, ob ſie nur Außerungen der Klugheit in ſimulirter Sicherheit waren, iſt nie vollſtändig entſchieden worden.

Und eben hier liegt die Seite, welche unſerm Falle das wichtigſte Intereſſe verleiht jenes wahre oder affectirte Feſthalten an einem unerklärt gebliebenen Sin⸗ nentruge; dies gibt ihm eine ſo eigenthümliche Färbung, daß wir ihn als ein wol ſchwer wiederkehrendes Ereig⸗ niß in den Jahrbüchern der Criminaliſtik bezeichnen.

Kaſſendiebſtähle mit Nachſchlüſſeln wiederholen ſich allwöchentlich in großen Städten; ſeltener daß, wie hier, der Verdacht auf Unſchuldige fällt und deren andauernde Verhaftung nach ſich zieht; noch ſeltener kämpfen hier⸗ bei gravirende Indicien mit Entkräftungsanzeigen in dem Maße, wie bei vorliegender Unterſuchung; doch am ſel⸗ tenſten iſt in einem Criminalproteſſe die Erſcheinung