396 Der nürnberger Kassendiebstahl.
Schloſſers und ſeiner Complicen durchgehends beſtätigt und in Summa über 200 Gulden an baarem Gelde, theils auf dem Hausboden, theils unter den Dachſpar⸗ ren verſteckt. Auch Trümmer einer Eiſenkaſſe, welche Sterbenk recognoſcirte, wurden von Fiſchern in der Peg⸗ nitz aufgefunden, und der Eiſenhändler Albrecht, an welchen Göſſer einige Stücke verkauft haben wollte, beſtätigte dieſes.
Jetzt erſt verſetzte man den Vergolder und ſeine Lei⸗ densgefährten in mildern Verhaft, ließ es geſchehen, daß ihnen Bequemlichkeiten gereicht wurden, und eröff⸗ nete ihnen allmälig, was außer ihrem Gefängniß vor⸗ gegangen.
Demnächſt ward der Urheber des namenloſen Jam⸗ mers der Mannert'ſchen Familie, Barbier Kirchmeier, am 4. November 1790 arretirt. Er war des falſchen Zeugniſſes und Meineides verdächtig— durch die Lage der Sache bezichtigt. Man ſtellte an ihn die Frage: ob er— nachdem ihm die Geſtändniſſe verleſen waren — ſich noch getraue, was er beſchworen, zu behaupten?
Kirchmeier erklärte hierauf:„Daß er noch immer mit reinem und unverletztem Gewiſſen behaup⸗ ten könne, daß er an jenem Morgen im Beiſein der Mannert und deren jüngſten Sohnes unter dem Raſiren des Mannert eine dunkelgrün angeſtrichene Kaſſentruhe, deren Deckel mit einer weiß⸗ und rothſchattirten Tulipan am Rande der Kaſſe, ſowie einer andern blauen, eine Aſter vorſtellenden Blume bemalt, das Schlüſſelſchild mit vier Laubblättern figurirt und die Form einer verkehrt ſtehenden Tuli⸗ pan habend, die Blätter aber Weintrauben⸗ blättern gleichend, auf einem hölzernen dun⸗


