394 Der nürnberger Kassendiebstahl.
auch ganz richtig die Orte an, wo in ihrem Hauſe noch Geld verborgen lag, wußte mit vieler Sicherheit zu be⸗ ſtimmen, welches davon dem Geſellen, welches ihrem Mann noch gehöre, und verſicherte, daß nur die Nah⸗ rungsloſigkeit, ſeine Schuldenlaſt, verbunden mit Hang zum Spiele und Wirthshausbeſuchen ihren Mann zum gemeinen Verbrecher hätten hinabſinken laſſen. Sie habe oft genug zur wenigſtens theilweiſen Rückerſtattung des entwendeten Geldes ihn beſtimmen wollen, ſei ihm oft genug hart angelegen, ſich durch offenes Geſtändniß vor Gericht wieder mit Gott und den Menſchen zu verſöh⸗ nen, habe die Leiden der um ſeines Verbrechens willen unſchuldig gefangenen Perſonen ihm oft genug geſchil⸗ dert, allein immer habe er ſie zu beruhigen verſucht mit dem ſchalen Troſtſpruche:„daß ſich ja das Schickſal der ſeinetwegen Leidenden wol doch noch zu ihrem Vortheile entwickeln müſſe“, und auch hiermit zu beruhigen gewußt. Der Geſelle, Magnus Melchior Blöſel, 25 Jahr alt, der Sohn eines zu Nürnberg anſäſſigen und zur Zeit unſerer Unterſuchung noch lebenden Zimmergeſellen, geſtand zu gleicher Zeit und faſt übeinſtimmend mit dem Vorigen. Er ſuchte nur darin eine Vertheidigung, daß er ſeinen Widerſtand gegen die Verlockung hervorhob. Nämlich als Göſſer in der Nacht vom 29. auf den 30. Juni Morgens zwiſchen 2—3 Uhr ihn aus dem Schlafe gerüttelt und zugerufen, wie ſie ſich Beide„glücklich“ machen wollten, habe er um das Wo und Wie gefragt. Als er, was es galt, erfahren, habe er den Meiſter mit den Worten:„Um Gottes willen! Meiſter, was wird da rauskommen! wir könnten Beide dadurch unglücklich werden!“ von dem Diebſtahle abzuhalten verſucht. Allein in den ſpätern Verhören ließ er die Feſtigkeit dieſer Ausſage ziemlich ſchwankend werden, und iſt we⸗


