Jahrgang 
22 (1854)
Einzelbild herunterladen

386 Der nürnberger Kassendiebstahl.

ganze Unterſuchung wendete ſich, ſo ſchnell ſie die bis⸗ jetzt Verhafteten umſtrickt hatte, mit gleicher Schnelle wieder ab von denſelben und bewegte ſich in der neu angegebenen Richtung. Zwar ſchauderte man im Rück⸗ blick auf Das, was geſchehen war, es wäre ja Alles umſonſt geſchehen, und mehr als das! Zwar rückte man nur langſam Schritt vor Schritt vor, wollte noch immer nicht, was nicht geſchehen ſein ſollte, als ge⸗ ſchehen ſich denken; allein kein Aufenthalt half; die Bahn war gebrochen, ſie mußte durchſchritten werden.

Indeſſen wurde zuvor der Auslaufer Schönleben noch einmal einem Verhöre unterworfen, noch einmal wurden alle Mittel verſchwendet, um Gewiſſen und Verſtand des Inquiſiten zu betäuben und zu erlangen, was immer mehr und mehr im Werthe ſtieg: ein Geſtändniß. Dies Geſtändniß rettete jetzt auch die Richter vor der Welt, vor ihrem Gewiſſen. Allein Schönleben geſtand nichts, er konnte nichts geſtehen:man möge auch mit ihm an⸗ fangen, was man wolle. Nun wagte man endlich, ihn zu befragen, ob er vielleicht Verdacht auf die Schloſſer⸗ meiſter habe, die für das Haus ſeines Principals arbei⸗ teten ſchnell darauf: auf welchen und warum?

Und ſiehe da! Schönleben ſchoß plötzlich ein Licht auf. Er gab an, daß es dem Schloſſer Göſſer ſehr hart ging, daß er von dem Sterbenk für drei Gulden Fenſterbeſchläge gekauft und nicht bezahlen können, daß er auch einmal das Hausthürſchloß reparirt, daß Göſſer ihn(den Inquiſiten) kurz vor ſeiner Verhaftung auf der Straße angeredet und gefragt habe: ob er nicht bald wieder eine Kaſſe zu fertigen beauftragt würde? Die Frage: wie es kam, daß erſt jetzt alle dieſe Fragen von dem Inquirenten aufgeworfen wurden, liegt nahe; die Acten aber geben keine Antwort darauf.