384 Der nürnberger Kassendiebstahl.
als eine neue Wendung im Proceſſe eintrat. Es war am 30. October, gerade vier Wochen nach dem Begräb⸗ nißtage der Mannert, gerade vier Monate nach dem Beginn der Unterſuchung.
Schon früher waren Gerüchte im Umlauf, die den Verdacht auf ganz andere Perſonen lenkten, Gerüchte, die ſich immer lauter und lauter geltend machten. Aber man wollte ſich durch das Verfolgen neuer, unſicherer Spuren von dem feſtgetretenen Wege nicht ablenken laſſen; war doch das Anſehen des Gerichts, der gan⸗ zen Stadt Nürnberg, die dieſen Weg als den richtigen erkannt, dabei im Spiele. Endlich aber hatte das Ge⸗ rücht ſo an Stärke gewonnen, daß ſich der Schöffe von Harsdorff bewogen fand, demſelben näher auf den Grund zu gehen..
An dem genannten Tage ließ er den Schloſſer⸗ geſellen Wagner in ſeine eigene Wohnung rufen. Wagner machte folgende Angabe:
„Sonntag vor acht Tagen, den 17. October, habe ihm der Gewerbsladengeſelle Georg Meier auf der Her⸗ berge erzählt: daß kurz zuvor, ehe er, Deponent, auf dieſelbe gekommen, der bei dem Meiſter Berger in Ar⸗ beit bis vor einigen Tagen geſtandene Geſelle, gemeinig⸗ lich der Berliner genannt, über den Meiſter Göſſer und deſſen Geſellen Blöſel ſehr geſchimpft und letzterm vorgehalten habe, wie die Leute ihn wegen des Ster⸗ benk'ſchen Kaſſendiebſtahls in Verdacht hätten. Blöſel habe alle Schmähungen, Scheltworte und Vorwürfe des Brrliners geduldig und ſchweigend hingenommen, und ſei, wie wenn er ſtumm wäre, vor dem Belleidiger ge⸗ ſeſſen. Der von dem Berliner ausgeſprochene Verdacht der Leute gründe ſich übrigens darauf, daß ſich Göſſer und Blöſel ſilberne Uhren angeſchafft, ſich vom Kopf


