Zeitschriftenband 
20 (1853)
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480 Franj Schall.

richter vorzeigte Dann ſprach Schall ohne Zittern und ohne Haſtigkeit, frei und deutlich die Worte:

Ich bekenne es frei und offen, ich habe den Eber⸗ mann mit beſter Ueberzeugung und kaltem Blut ermor⸗ det. Ich mußte mich ſeiner entledigen; es iſt aus Reid geſchehen. Ich danke für die gerechte Strafe, und wenn ich Jemand beleidigt haben ſollte, ſo bitte ich um Ver⸗ zeihung.

Er küßte dann das Crucifix, das ihm der Propſt übergab, und ſchüttelte mit dieſem und dem Unterſuchungs⸗ richter die Hand. Es iſt von Einigen getadelt worden, als ſei dieſer Ausbruch von Vertraulichkeit mit einem zum Tode abgehenden Verbrecher nicht angemeſſen der Würde, die der Richter gegen ihn zu beobachten hat. Gewiß hat er das, ſolange der Verbrecher Ingquiſit, unter der Obhut des Gerichtes ſteht. Vom Augenblick an aber, wo er dem Scharfrichter übergeben, hört dieſe Rückſicht auf. Die Weihe zum Tode adelt auch den Verbrecher. So weit in der Geſchichte der Criminaliſtik nur von Hinrichtungen ausführlicher berichtet wird, finden wir, daß in dieſen feierlichen Augenblicken die Humanität über die formale Würde ſiegt. Wie es nicht für ſchimpf⸗ lich geachtet ward, letzte Geſchenke von Delinquenten an⸗ zunehmen, ſo finden wir überall berichtet von einem letz⸗ ten Händedruck, einer Umarmung. Wir wiſſen nichts von einer dem entgegenſtehenden Obſervanz im Preußi⸗ ſchen, und die herzlichen Worte, mit welchen der Unter⸗ ſuchungsrichter Dr. Louis den zum Tode Geweihten bei dieſem Händedruck entließ, trugen mit zu der Feierſtim⸗ mung bei, welche ſich aller Gegenwärtigen bei dieſem Act bemächtigte.

Mit eben ſo raſchen Schritten war Schall, von Nie⸗ mand geleitet, auf dem Schaffot. Er trat ſeitwärts