478 Franz Schall.
Theilnahme nicht ausſchloß; die Leidenſchaft blieb aber auch hier fort.
Die Frau hatte inzwiſchen, um ihr Brot zu verdie⸗ nen, einen Grünhandel auf dem Markte angelegt. Die Geſchworenen, in der erſten Jury, die wieder entlaſſen werden mußten und die mit einer günſtigen Meinung für Schall auseinandergingen, hatten vorher zur Unter⸗ ſtützung der armen Frau eine Sammlung veranſtaltet. Jetzt erklärte die Frau ihrem Manne, daß ihr Stand auf dem Markte ein ſchwieriger werde; ſeit die andern wüßten, daß er eingeſtanden, werde man auf ſie mit den Fingern weiſen. Sie fragte ihn, ob ſie nicht ihres und ihres Kindes wegen einen andern Namen annehmen ſolle?— Mit der vollkommenſten Ruhe, wie etwa ein juriſtiſcher Conſulent, der von einem Fremden um ſein Gutachten befragt wird, beſann er ſich einen Augen⸗ blick und ſagte dann: das würde doch nicht geſetzlich ſein. Sie müſſe deshalb beim Könige um Specialerlaubniß einkommen, und das wäre eine weitläufige Geſchichte. Sie ſei nun einmal ſeine Frau und müſſe ſich darin finden. Uebrigens möchte ſie nur ruhig auf dem Markte ſitzen und ſich um nichts kümmern; die Sticheleien würden bald aufhören. Die Leute würden müde, wenn ſie nicht antworte, und dann vergeſſe ſich ſolche Geſchichte bald genug. Dagegen empfahl er ihr dringend für ſein Kind zu ſorgen; in Berlin verdürben die Kinder gar zu leicht. Der Propſt Peldram hatte ihm übrigens verſprochen für die Erziehung des Kindes Sorge zu tragen.
Freitag am 11. Februar um 8 Uhr ertönte das Armeſünderglöcklein auf dem Thurme des ungeheuren burgartigen Zellengefängniſſes zu Moabit bei Berlin. Das ſchlechte Wetter, der erſte Schnee des böſen Nach⸗


