Zeitschriftenband 
19 (1852)
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446 Candidat Rüsau. Werkzeug in Ihren Händen! Machen Sie, daß meine Leiden bald enden.

Es waren ſeine letzten Worte.

Die ungeheure Menſchenmaſſe beobachtete ein tiefes Stillſchweigen, ſodaß man die gräßlichen Stöße des Rades deutlich hören konnte.

Man hatte nicht die mildere Praxis der kommenden Jahre geübt, durch eine heimliche Strangulation die Barbarei des Geſetzes auszugleichen.

Aber Rüſau war der Letzte, an welchem in Hamburg die Strafe des Rades vollzogen ward.

Die rohe Menge, ſagt ein Berichterſtatter, zählte die fürchterlichen Stöße, und empfindſame Damen tauchten ihre Taſchentücher in das Blut des Dulders.

Damit iſt der Zwieſpalt der damaligen öffentlichen Meinung in Hamburg charakteriſirt. Der aufgebrachten Menge war das erſte Urtheil, welches das Niedergericht gefunden, viel zu milde, während auf der andern Seite das Mitleid für den Mörder zu einer Art von ſtillem Cultus für denſelben ſich ſteigerte. Dieſe warfen dem Obergericht vor: daß es aus Furcht vor Unruhen das erſte Urtheil geſchärft habe. Hiergegen vertheidigt unſer Ungenannter das hohe Gericht; gewiß habe das ehr⸗ würdige Collegium weiſe und gerechte Gründe zu dieſer Schärfung gehabt. Bei derjetzigen ſo glücklichen auf Conſtitution und Geſetz gebauten Einigkeit zwi⸗ ſchen Senat und Bürgerſchaft,die auf keine Weiſe wieder getrennt werden können, habe der Senat keine Revolten von der Menge zu fürchten. Dies mag ſehr richtig geweſen ſein; ſchwerer aber iſt es für unſere Be⸗ griffe, zu faſſen, weshalb die Todesſtrafe, die mit Recht vom Niedergericht gefunden und unerläßlich war, auf