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444 Candidat Rüsau.
meine Theuern, die ich vernichtet, mich dort oben freund⸗ lich empfangen werden?“ Als Jener die Frage mit Zu⸗ verſicht beantwortete, umarmte Rüſau ihn heftig, und nannte ihn ſeinen wahren Tröſter in der größten To⸗ desangſt.
Die letzte Nacht ſeines Lebens ſchlief er ziemlich ruhig. Am Morgen frühſtückte er noch mit Appetit und trank eine Flaſche Rheinwein aus. Dem Paſtor Renzel und dem Candidaten Lentz geſtand er, daß er einige Aengſtlichkeit bei der Annäherung ſeiner Todesſtunde empfände. Auf die Frage: ob der Strom von Men⸗ ſchen, der ſich heranwälzte, ihm in ſeinen letzten Au⸗ genblicken nicht läſtig wäre, erwiderte er:„Ich freue mich, daß ich ſo viel theilnehmende Menſchen ſehe.“
Kurz vor ſeinem Austritt aus der Frohnerei gab ihm die Frau des Scharfrichter Hennings, die ihn mit aller Aufmerkſamkeit gepflegt hatte, ein Papier mit et⸗ was Confect, daß er ſich deſſen auf dem letzten Wege bedienen möge.„Ich bedarf nichts mehr, meine Liebe“, ſagte er.„Soll es aber mir gehören, ganz(1) mein Ei⸗ genthum ſein?“ Als die Frau es bejahte, theilte er es unter beide Mitgefangene:„Dies iſt auf dieſer Welt das Letzte, was ich habe und verſchenken darf. Erin⸗ nern Sie ſich Beide meines Unglücks und Sie werden redliche Menſchen werden und bleiben.“ Erfunden wird dieſer Zug nicht ſein; wir theilen ihn mit, weil wir ihn unter den andern berichtet fanden. Der Pathos der Sentimentalität gehört der Zeit an.
Er ſträubte ſich dagegen die haarene Decke und das Meſſer anzulegen. Es war zu ſpät, um Remonſtrationen dagegen zu machen. In dem Tenor des uns mitge⸗ theilten Urtheils ſteht nichts davon, aber ein Berichter⸗ ſtatter ſagt, daß er zufolge deſſelben„in fliegenden Haa⸗


