Zeitschriftenband 
19 (1852)
Einzelbild herunterladen

Candidat Rüsau.

niedergerichtliche Findung confirmiret und reformiret, und Gefangenen, Inquiſiten und peinlich Angeklagten zu dieſer Strafe verdammt. V. R. W.

Nach Verleſung des Urtheils wurde Rüſau der ſchwarze Bürgermantel abgenommen, er ſelbſt aber den Frohnknechten übergeben, welche ihn, die Hände mit Stricken gebunden, zum Niedergericht führten, wo ihm das Urtheil nochmals vorgeleſen ward. Dann brachte man ihn nach der Frohnerei auf dem Berge, und zwei Geiſtliche, ein Prediger zu St.⸗Jakobi und der Candidat Samuel Lentz, damals Collaborator am Johanneo, ver⸗ fügten ſich zu ihm, um ihn zum Tode vorzubereiten. Mit dem Erſtern kam Rüſau, den Ideen Spinoza's huldigend, wie uns von einer Seite geſagt wird, über das Wiederſehen nach dem Tode faſt in Streit, ſodaß der Prediger wegblieb; Lentz hingegen bequemte ſich mehr den Gedanken des Unglücklichen an und harrte bei ihm aus bis zum Montag Mittag.

Nach einem Bericht betrug er ſich in der Frohnerei ſehr ruhig und mit Faſſung. Er ſetzte ſich zu Tiſch, mit vielem Appetit und ſagte zu der Frau, die das Eſſen beſorgt hatte:Eine ſo gute Suppe habe ich in meinem Gefängniß nur ein Mal bekommen, und ich werde es Ihnen danken. Für den Abend beſtellte er ſich Fiſche mit Kartoffeln. Am Nachmittage unterhielt er ſich mit den andern Gefangenen über moraliſche und religiöſe Gegenſtände. Des Nachts ſchlief er, fuhr aber doch mehrmals im Schlaf auf.

Der ungenannte Schriftſteller hat eine ganze Reihe charakteriſtiſcher Züge aus den letzten Tagen des Verur⸗ theilten geſammelt, die für den Pſychologen von In⸗ tereſſe ſein werden.

Als man ihm, noch in ſeiner Gefangenſchaft auf